27.5.2004, 18:34 Uhr
Mikroben nagen an Maya-Ruinen
Nicht nur der Zahn der Zeit und Luftschadstoffe nagen an den Maya-Ruinen Mittelamerikas. Eine rege Lebensgemeinschaft von Bakterien zersetzt die steinernen Zeugnisse allmählich von innen heraus, haben US-amerikanische und mexikanische Forscher entdeckt.
"Lediglich die Oberfläche steinerner Objekte und Gebäude auf Mikrobenwachstum zu untersuchen und zu desinfizieren, kann nicht länger als ausreichend gelten", ist Christopher McNamara von der Harvard University in Cambridge, Massachusetts, überzeugt. Der Forscher und seine Kollegen fanden die Mikroben in Kalkstein aus Ek' Balam, einer alten Maya-Stadt im Nordosten der mexikanischen Halbinsel Yucatán.
Sowohl die Oberfläche als auch das Innere des porösen Baumaterials ist von Bakterien besiedelt, berichtet die Gruppe auf der Jahrestagung der American Society for Microbiology in New Orleans. Die Lebensgemeinschaften unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Zusammensetzung: Während auf der Steinoberfläche Photosynthese betreibende Proteobakterien dominierten, fanden sich im Innern überwiegend Acido- und Actinobakterien.
Wurden diese Bakterien in einem Gefäß mit einer Probe des Kalksteins kultiviert, stieg der Calciumgehalt der Nährlösung deutlich stärker an als in bakterienfreien Kontrollgefäßen. "Unsere Daten zeigen, dass die endolithischen Mikroorganismen aus Ek' Balam möglicherweise zum Zerfall der Kalksteinruinen beitragen", schließen McNamara und seine Kollegen.
Forschung: Christopher J. McNamara und Ralph Mitchell, Division of Engineering and Applied Sciences, Harvard University, Cambridge, Massachusetts; und andere
Präsentation auf dem 104th General Meeting of the American Society for Microbiology, New Orleans
WWW:
Laboratory of Environmental Microbiology, Harvard
Maya Civilization
Fotografischer Rundgang in Ek' Balam
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