27.5.2004, 14:06 Uhr
Gefunden: Stellare Schwergewichtschampions
Über 160 Sonnenmassen bringt ein Sternenpaar fernab der Erde auf die Waage. Das haben amerikanische und polnische Astronomen ermittelt. Die jungen und heißen Schwergewichte umkreisen einander nicht nur wie zwei Boxer, sie teilen auch schwere Hiebe in Form intensiver Strahlung und Teilchenwinde aus.
"Dieses System ist derart bemerkenswert - wir mussten es einfach erforschen", begeistert sich Alceste Bonanos vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge, Massachusetts. Die Astronomin und ihre Kollegen ermittelten, dass die beiden Sterne 82 bzw. 83 Sonnenmassen aufweisen und damit das massereichste derzeit bekannte Binärsystem bilden. Zudem kreisen sie alle 3,7 Tage in derart geringem Abstand umeinander, dass sie sich mit ihren Gezeitenkräften gegenseitig verformen.
Illustration: David A. Aguilar, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics
Zu ähnlichen Schlussfolgerungen war eine Gruppe um Gregor Rauw von der Universität Liège (Lüttich) bereits im April gekommen. Die Forscher hatten das System WR 20a, gut 20.000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Carina gelegen, spektroskopisch analysiert. Allerdings war damals nicht klar, unter welchem Winkel man auf das Doppelsternsystem schaut. Bonanos und ihre Kollegen gingen diese Frage an, indem sie nach Helligkeitsschwankungen des Systems fahndeten.
Derartige Schwankungen sollten umso ausgeprägter sein, je stärker sich die Sterne bei ihrem Umlauf - von der Erde aus gesehen - gegenseitig bedecken. "Die Ergebnisse haben unsere Erwartungen übertroffen", erläutert Andrzej Udalski von der Sternwarte der Universität Warschau. Schon nach wenigen Beobachtungsnächten sei klar gewesen, dass WR 20a tatsächlich "Sternenfinsternisse" zeige. Aus dem Verlauf der Helligkeit über die Zeit habe man daher den Kippwinkel des Binärsystems, die Rotationsperiode und damit die Massen der beiden Sterne sehr genau bestimmen können.
Forschung: Alceste Z. Bonanos und Krzysztof Stanek, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; Andrzej Udalski, Warsaw University Observatory; und andere
Preprint astro-ph/0405338
WWW:
Sternwarte der Universität Warschau
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