4.5.2004, 11:35 Uhr
Delfinmütter haben Nachwuchs im Schlepptau
An der Seite ihrer Mutter können sich junge Delfine auf die faule Haut legen und trotzdem zügig vorankommen. Das zeigen die Berechnungen eines israelischen Luftfahrtingenieurs. Zwei Strömungseffekte sorgen dafür, dass der Nachwuchs praktisch von der Mutter durchs Wasser geschleppt wird. Umso folgenschwerer ist eine Schwächung der engen Bindung.
Selbst vermeintlich "delfinfreundliche" Thunfisch-Fangmethoden könnten die Sterblichkeit unter jungen Delfinen deutlich erhöhen, vermutet Daniel Weihs vom Technion in Haifa. Auf der Flucht vor Fischereifahrzeugen müssten Mutter und Kalb automatisch den Abstand zueinander erhöhen, um sich bei ihren stärkeren Schwimmbewegungen nicht gegenseitig zu stören. Dies vermindere den Schleppeffekt und erhöhe damit die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Trennung, schreibt der Ingenieur im "Journal of Biology".
Delfinbeobachtungen haben gezeigt, dass Jungtiere an der Seite ihrer Mutter sehr viel weniger Flossenschläge ausführen müssen. Tatsächlich können die Jungtiere im mütterlichen "Strömungsschatten" beträchtliche Energiemengen sparen, ermittelte Weihs. Einerseits wird das Kalb durch das von der Mutter verdrängte und hinter ihr wieder zusammenströmende Wasser förmlich angeschoben. Andererseits ist der hydrostatische Druck in dem Wasser, das die Leiber von Mutter und Kalb entlang strömt, nur gering. Dieser Bernoulli-Effekt saugt das Kalb förmlich an die Mutter heran und hält es in einer energetisch günstigen Position.
Bei Geschwindigkeiten von bis zu 2,4 Metern pro Sekunde muss das Kalb im Optimalfall 90 Prozent weniger Schub entwickeln, schätzt Weihs. Luftaufnahmen von Ostpazifischen Delfinen (Stenella longirostris) bestätigten die Resultate der Modellrechnungen: Die abgebildeten Jungtiere schwammen mit nur einer Ausnahme in Positionen relativ zur Mutter, in denen sie bis zu 61 Prozent Energie sparten.
Forschung: Daniel Weihs, Faculty of Aerospace Engineering, Technion - Israel Institute of Technology, Haifa
Veröffentlicht in Journal of Biology, 3:8, 4. Mai 2004
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Stenella longirostris
Bernoulli-Effekt
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