27.4.2004, 10:47 Uhr
Winzige Hochöfen: Neues Mondmineral entdeckt
Ein neues Eisen-Silizium-Mineral haben amerikanische und russische Planetenforscher in Mondgestein entdeckt. Das auf den Namen Hapkeit getaufte Mineral entsteht vermutlich, wenn der Einschlag von Mikrometeoriten vorübergehend Bedingungen ähnlich denen in einem Hochofen schafft.
Da der Mond keine nennenswerte Atmosphäre besitzt, ist seine Oberfläche einem ständigen Bombardement ausgesetzt, erläutern die Forscher um Mahesh Anand von der University of Tennessee, Knoxville, in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". So schlagen laufend Bruchteile eines Millimeters große Mikrometeoriten mit bis zu 100.000 Kilometern pro Stunde auf dem Mond ein. Sie zermahlen das Gestein nicht nur zu einem pulvrigen Material, dem Regolith. Bei dem Einschlag treten auch Temperaturen von über 2.000 Grad Celsius auf, so dass das Gestein teilweise verdampft und wieder zu einer glasartigen Masse erstarrt.
Hapkeit und andere FeSi-Phasen in einem Mineralkörnchen. Bild: Copyright PNAS
Derartiges Material fanden die Forscher auch in dem Meteoriten Dhofar 280. Im Jahr 2000 im Oman entdeckt, war der Gesteinsbrocken bei einem Einschlag in den Hochländern des Mondes ins All geschleudert worden. Eine nähere Analyse zeigte nun, dass der Meteorit Körnchen reinen Eisens enthält, wie sie bereits in anderen Regolithproben entdeckt worden waren. Daneben fanden Anand und Kollegen aber auch Mineralkörnchen, die Eisen und Silizium im Verhältnis 2:1 enthalten.
Bereits vor über 30 Jahren hatte der Mineraloge Bruce Hapke die Existenz eines glasartigen Überzugs auf Regolithpartikeln vorhergesagt. Ihm zu Ehren taufen Anand und Kollegen das neue Mineral auf den Namen Hapkeit. Ihrer Ansicht entsteht es beim Einschlag von Mikrometeoriten, wenn das Mondgestein verdampft und die darin enthaltenen Eisenoxide und Silikate in ihre Elemente aufgespalten werden. Die Sauerstoffatome entweichen ins All, so dass Eisen und Silizium zusammenfinden können und beim Erstarren Eisensilizit-Mineralien bilden können. Mit dem Sonnenwind ins Mondgestein gelangter Kohlenstoff und Wasserstoff könnte die Abscheidung der Metalle zusätzlich fördern, so die Forscher.
Forschung: Mahesh Anand und Lawrence A. Taylor, Planetary Geosciences Institute, Department of Earth and Planetary Sciences, University of Tennessee, Knoxville; und andere
Veröffentlichung in PNAS, Vol. 101(18), 4. Mai 2004, pp 6847-51, DOI 10.1073/pnas.0401565101
WWW:
Homepage Lawrence Taylor
The Moon
| [Zurück] | |

