5.5.2004, 19:00 Uhr
Grillen: Attraktive Väter, enttäuschende Töchter
Frauen haben bestimmte Ansprüche an die künftigen Väter ihrer Kinder. Zwei US-Biologen haben nun entdeckt, dass diese Präferenzen höchst unterschiedliche Folgen für den Nachwuchs haben - zumindest bei Insekten. Paart sich ein Grillenweibchen mit einem besonders erfolgreichen Männchen, entwickeln sich ihre Söhne ebenfalls zu regelrechten Casanovas. Ihre Töchter schneiden in Sachen Fortpflanzung dagegen unterdurchschnittlich ab.
Gene oder Genkombinationen könnten bei weiblichen und männlichen Tieren von unterschiedlichem Nutzen sein, erläutern Kenneth Fedorka und Timothy Mousseau von der University of South Carolina, Columbia, im Magazin "Nature". Die neuen Resultate zeigten, dass die Bevorzugung bestimmter Männchen daher auch geschlechtsspezifische Folgen für den Nachwuchs haben könne.
Die zwei Biologen fingen 47 männliche Grillen der Art Allonemobius socius und paarten sie mit 98 jungfräulichen Weibchen. 25 der Männchen hatten sich in der Wildbahn schon einmal gepaart - gut erkennbar an einem Sporn am Hinterbein, auf dem die Weibchen während der Kopulation kauen. Bei nachfolgenden Paarungsexperimenten entpuppten sich die Söhne dieser "erfolgreichen" Männchen ebenfalls als besonders attraktiv: Nicht nur konnten sie Testweibchen häufiger begatten, sie mussten sie dazu auch weniger lang umwerben.
Gemessen an der Zahl der von ihnen gelegten Eier, erwiesen sich die Töchter der erfolgreichen Väter dagegen als Enttäuschung. Über den gesamten Nachwuchs gemittelt, überwiegen für ein Grillenweibchen jedoch die Vorteile bei einer Paarung mit erfolgreichen Männchen, berechnen Fedorka und Mousseau. Aus diesem Grund sei die weibliche Präferenz nicht schon längst ein Opfer der Selektion geworden.
Forschung: Kenneth M. Fedorka und Timothy A. Mousseau, Department of Biological Sciences, University of South Carolina, Columbia
Veröffentlicht in Nature, Vol. 429, 6. Mai 2004, pp 65-7
WWW:
Mousseau Lab
Grillen
Allonemobius socius
| [Zurück] | |

