28.4.2004, 19:06 Uhr
Bootslärm stört Walkommunikation
Die Beobachtung von Walen, das Whale Watching, ist eine große Touristenattraktion und wird von Naturschützern als kommerzielle Alternative zum Walfang propagiert. Dabei kann man es auch übertreiben, haben britische und amerikanische Biologen entdeckt: Angesichts lärmender Touristenboote sehen sich Schwertwale vor der US-amerikanischen Pazifikküste mittlerweile zu einer besonders langsamen "Sprechweise" genötigt.
Rus Hoelzel von der University of Durham und seine Kollegen untersuchten drei Gruppen von Schwertwalen (Orcinus orca) vor der Küste des US-Bundesstaates Washington. Die Tiere stehen praktisch unter Dauerbeobachtung, berichten die Forscher im Magazin "Nature". Tagsüber werde jede Gruppe von durchschnittlich 22 Booten mit Touristen begleitet.
Foto: Fred Felleman
In Gegenwart der Fahrzeuge verständigen sich die Tiere durch gut 15 Prozent längere Rufe, ermittelten die Forscher. Dieser Effekt tritt in allen drei Gruppen auf, obwohl diese verschiedene Dialekte mit unterschiedlich langen Lauten nutzen.
Ende der 70er-Jahre bzw. Anfang der 90er-Jahre aufgenommene Rufe waren dagegen stets gleich lang - unabhängig von der Gegenwart der Touristenboote. Allerdings habe sich die Zahl der Boote in den letzten zehn Jahren in etwa verfünffacht, schreiben Hoelzel und seine Kollegen. "Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass die Wale den anthropogenen Lärm durch Verhaltensänderungen kompensieren, sobald er einen Schwellenwert überschritten hat."
Forschung: Andrew D. Foote und A. Rus Hoelzel, School of Biological and Biomedical Sciences, University of Durham, UK; Richard W. Osborne, The Whale Museum, Friday Harbor, Washington
Veröffentlicht in Nature, Vol. 428, 29. April 2004, p 910
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Schwertwal
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