7.5.2004, 12:21 Uhr
Meeresverschmutzung: Plastik in allen Größen
Tragetaschen, Flaschen und andere Plastikgegenstände treiben in den Weltmeeren. Daneben hinterlässt die Zivilisation auch deutlich subtilere Spuren, haben britische Forscher ermittelt. Im freien Wasser und im Sediment finden sich demnach Massen winziger Kunststoffpartikel. Die Folgen für die Umwelt sind ungewiss.
"Im Laufe der letzten 40 Jahre ist häufig über größere Plastikmüll-Objekte in Habitaten von den Polen bis zum Äquator berichtet worden", schreiben Richard Thompson und seine Kollegen im Magazin "Science". Die meisten Kunststoffsorten seien biologisch nicht abbaubar, würden jedoch durch mechanische Kräfte allmählich zerkleinert. Auch angeblich biologisch abbaubare Artikel und Reinigungsmittel enthielten oft nicht abbaubare Plastikpartikel.
Die Forscher untersuchten nun, wie häufig solche winzigen Plastikreste im Meer sind. Dazu sammelten sie Sedimentproben von britischen Stränden, aus Flussmündungen und vom Meeresgrund und analysierten darin enthaltene Partikel geringer Dichte. Die Infrarotspektroskopie zeigte, dass etwa ein Drittel der Partikel aus synthetischen Polymeren wie Polyamid, Polyester oder Polymethacrylat bestand. Thompson und seine Kollegen gehen davon aus, dass die meist fadenförmigen, einige Hundertstel Millimeter feinen Gebilde letztlich auf Kleidung, Verpackungen oder Seile zurückgehen.
Auch im offenen Wasser sind die Plastikpartikel zu finden, ergab die Analyse von Planktonproben, wie sie seit den 60er-Jahren regelmäßig in Nordsee und Nordatlantik genommen werden. Zudem ist die Häufigkeit des "Plastikplanktons" in diesem Zeitraum parallel zur Kunststoffproduktion gestiegen, fanden die Forscher. Ihren Experimenten zufolge werden die winzigen Partikel leicht von Seepocken, Wattwürmern und Flohkrebsen aufgenommen. Ob sie ähnliche Folgen haben wie größere Plastikobjekte, denen regelmäßig Fische, Meeressäuger, Vögel und Meeresschildkröten zum Opfer fallen, sei noch völlig unklar.
Foto: By Courtesy of Richard Charles Thompson
Forschung: Richard C. Thompson und Ylva Olsen, Marine Biology and Ecology Research Group, University of Plymouth; und andere
Veröffentlicht in Science, Vol. 304, 7. Mai 2004, p 838
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