8.4.2004, 11:39 Uhr
Scheinoperation hilft Parkinson-Patienten
Einen starken Placebo-Effekt bei Patienten mit der Parkinsonschen Krankheit haben amerikanische Psychologen und Mediziner beobachtet. Waren die Patienten überzeugt, Nervenzellen eingepflanzt bekommen zu haben, bewerteten sie ihre Lebensqualität auch ein Jahr nach dem vermuteten Eingriff deutlich höher als solche, die von einer Scheinoperation ausgingen.
Zudem war der Effekt nicht auf die Patienten beschränkt, berichten die Forscher um Cynthia McRae von der University of Denver, Colorado, im Fachblatt "Archives of General Psychiatry". Auch die Einschätzung des medizinischen Personals schien eher von der Überzeugung des jeweiligen Patienten abzuhängen denn von der tatsächlichen Art des Eingriffs. Dieser ungewöhnlich starke Placebo-Effekt müsse bei Studien zu neuen Behandlungsmethoden berücksichtig werden, so die Forscher.
McRae und ihre Kollegen verfolgten den Werdegang von Parkinson-Patienten, die an einer Studie zur Verpflanzung embryonaler Nervenzellen teilgenommen hatten. Von 30 Patienten hatten 12 tatsächlich das Transplantat erhalten, bei 18 war dagegen nur eine Scheinoperation durchgeführt worden. Erst nach zwölf Monaten erfuhren Patienten, Betreuer und Forscher, wem tatsächlich Nervenzellen ins Gehirn gepflanzt worden waren.
Unabhängig von der Art der Intervention verbesserte sich der objektiv und subjektiv ermittelte Zustand der Patienten, wenn sich diese als Empfänger von Nervenzellen wähnten. Als Beispiel nennen die Forscher eine Patientin, die nach der vermeintlichen Operation wieder Sport zu treiben begann. Nach einem Jahr musste sie jedoch verblüfft feststellen, dass sie nur zum Schein operiert worden war. Zwar seien derartige Studien nicht unumstritten, räumt McRae ein. Die Resultate machten jedoch deutlich, dass man tatsächlichen und wahrgenommenen Nutzen einer Behandlung stets sorgfältig voneinander trennen müsse.
Forschung: Cynthia McRae, Eva Cherin und T. Gayle Yamazaki, College of Education, University of Denver, Colorado; Curt R. Freed, Division of Clinical Pharmacology, Department of Medicine, University of Colorado Health Sciences Center, Denver; und andere
Veröffentlicht in Archives of General Psychiatry, Vol. 61(4), pp 412-20
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Profil Cynthia McRae
Morbus Parkinson
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