6.4.2004, 11:36 Uhr
Selbstkritik nützt dem Aktienkurs

Ehrlich währt auch am Aktienmarkt am längsten, haben amerikanische Psychologen und Wirtschaftswissenschaftler ermittelt. Übernahmen Firmen offen die Verantwortung für schlechte Ergebnisse, wurden ihre Aktien ein Jahr später deutlich höher bewertet als die weniger selbstkritischer Mitbewerber.

"Die Anleger haben eine bessere Meinung von einer Firma, wenn deren Manager die Schuld für ein schlechtes Abschneiden auf sich nehmen", erläutert Fiona Lee von der University of Michigan in Ann Arbor. Der Grund: Derartige Unternehmen vermittelten eher den Eindruck, die Situation auch in schlechten Zeiten unter Kontrolle zu haben.

Lee und ihre Kollegen analysierten 21 Jahre abdeckende Aktionärsbriefe von 14 Unternehmen der Pharmabranche, der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie aus dem Anlagenbau. Einige Firmen machten häufig externe Faktoren wie die allgemeine wirtschaftliche Lage für schlechte Betriebsergebnisse verantwortlich, andere bekannten sich dagegen relativ offen zu Managementfehlern. Erstaunlicherweise wurden die Aktien dieser Unternehmen ein Jahr später deutlich höher gehandelt, berichten die Forscher demnächst im "Personality and Social Psychology Bulletin."

Offene Selbstkritik könnte von den Anlegern durch einen 14 bis 19 Prozent höheren Aktienkurs belohnt werden, schätzen die Forscher. "Ähnlich Individuen, tun sich auch Organisationen einen Gefallen, indem sie negative Ereignisse - etwa ein schlechtes Betriebsergebnis - intern statt extern begründen", erläutert Lee. Allerdings sei ein solches Verhalten allein nicht ausreichend, den Aktienkurs steigen zu lassen.


Forschung: Fiona Lee und Christopher Peterson, Department of Psychology und Michigan Business School, University of Michigan, Ann Arbor, und Larissa Tiedens, Graduate School of Business, Stanford University, Kalifornien

Veröffentlichung in Personality and Social Psychology Bulletin

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Deutscher Corporate Government Kodex
Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

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