7.4.2004, 19:28 Uhr
Wann Kolibris den Schnabel aufreißen
Kolibris ernähren sich nicht nur von Blütennektar, sie jagen auch kleine Insekten. Dabei kommt ihnen die hohe Flexibilität ihres Schnabels zugute, entdeckten jetzt amerikanische Biologen. Sie hatten drei Arten von Kolibris mit Hochgeschwindigkeitskameras im Flug gefilmt.
Gregor Yanega und Margaret Rubega von der University of Connecticut studierten den Insektenfang der Rubinkehlkolibris (Archilochus colubris), der Dickschnabelkolibris (Eugenes fulgens) und der Blaukehlnymphen (Lampornis clemenciae). Sie filmten die Vögel beim Fang von Fruchtfliegen und entdeckten auf den Videobildern, dass die Tiere ihre Schnäbel nicht nur weit aufreißen, sondern zusätzlich die Unterkiefer nach unten biegen können. Damit erhöhen die Kolibris ihre Fangquote deutlich, schreiben die Forscher im Magazin "Nature".
Foto: Gregor Yanega, University of Connecticut
Der lange schmale Schnabel der Kolibris schien bisher lediglich auf das tiefe Eintauchen in Blüten spezialisiert zu sein. Doch dem Nektar fehlen lebenswichtige Aminosäuren, die die Vögel nur aus tierischer Beikost beziehen können. Biologen hatten gerätselt, wie Kolibris mit ihrem spezialisierten Schnabel überhaupt Insekten fangen.
Insekten fressende Vögel besitzen in der Regel einen kurzen, breiten Schnabel, der zum Fang weit aufgerissen wird und mit seiner großen Fläche beim Jagen Vorteile bringt. Der flexible Unterkiefer der Kolibris könnte die Nachteile der spitzen Schnabelform wettmachen, schätzen Yanega und Rubega.
Forschung: Gregor Yanega, Margaret Rubega, University of Connecticut, Storrs; in "Nature", Vol. 428, No. 6983, 8.4.2004, p 615
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