5.4.2004, 18:20 Uhr
Astronomen röntgen Titan

Dank eines seltenen Himmelsschauspiels haben amerikanische und japanische Astronomen erstmals die Gashülle des Saturnmondes Titan röntgen können. Wenn die europäische Sonde Huygens Anfang nächsten Jahres auf dem Mond niedergeht, könnte sie demnach früher auf Widerstand treffen als bislang vermutet.

Möglich wurde die Aufnahme, indem Titan im Januar 2003 vor dem Krebsnebel vorüberzog, dem hell strahlenden Überrest einer Supernova. "Die könnte der erste Titan-Transit des Krebsnebels seit der Geburt des Nebels gewesen sein", freut sich Koji Mori von der Pennsylvania State University in University Park. "Die nächste Konjunktion dieser Art wird sich im Jahr 2267 ereignen - das war eine Erfahrung, die man nur einmal im Leben macht."

Titan's Path: NASA/CXC/Penn State/K.Mori et al.; Crab Nebula: NASA/CXC/ASU/J.Hester et al.

Titan's Path: NASA/CXC/Penn State/K.Mori et al.; Crab Nebula: NASA/CXC/ASU/J.Hester et al.

Mori und seine Kollegen verfolgten das Himmelsspektakel mit Hilfe des Röntgenteleskops Chandra. Wie sie demnächst im Fachblatt "The Astrophysical Journal" berichten, warf der Mond einen größeren Röntgenschatten, als aufgrund seines Durchmesser zu erwarten wäre. Aus dem Unterschied berechnen sie, dass der Röntgenstrahlen absorbierende Anteil der Titanatmosphäre rund 880 Kilometer hoch reicht. Die äußere Atmosphäre des Mondes ist bis zu 15 Prozent ausgedehnter, als anhand Messdaten von Voyager I berechnet. Die Sonde hatte den Mond im Jahr 1980 passiert.

"Im Jahr 2003 befand sich Saturn fünf Prozent näher an der Sonne", erläutert Moris Kollege Hiroshi Tsunemi von der Universität Osaka, "die stärkere Erwärmung Titans durch die Sonne könnte daher einen Teil der atmosphärischen Expansion erklären." Die neuen Resultate könnten große praktische Bedeutung haben, gibt der Forscher zu bedenken. Nicht nur für Huygens, sondern auch für die amerikanische Sonde Cassini, die Huygens huckepack zum Saturn trägt und Titan ebenfalls sehr nahe kommen wird. "Sollte sich Titans Atmosphäre tatsächlich ausgedehnt haben, muss vielleicht die Flugbahn geändert werden."


Forschung: Koji Mori, Department of Astronomy & Astrophysics, Pennsylvania State University, Philadelphia; Hiroshi Tsunemi, Department of Earth & Space Science, Graduate School of Science, Osaka University; und andere

Veröffentlichung in The Astrophysical Journal, vermutlich Juni 2004

WWW:
Chandra
Titan
Der Krebsnebel
Cassini-Huygens

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