8.7.2004, 14:00 Uhr
Galaxien reiften vor ihrer Zeit

Bereits zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall gab es große Galaxien im Universum. Entsprechende Beobachtungsresultate präsentieren zwei internationale Forschergruppen im Magazin "Nature". Nach dem gängigen Modell des Galaxienwachstums, der Verschmelzung kleinerer Galaxien zu immer größeren, sollten derartige Sterneninseln erst viele Milliarden Jahre später entstanden sein.

Andrea Cimetti vom Osservatorio Astrofisica di Arcetri in Florenz und seine Kollegen nutzten die Großteleskope der Europäischen Südsternwarte in Chile, um einen Blick tief in den Raum und damit weit zurück in die Vergangenheit zu werfen. Die Forscher gewannen Spektren von 546 leuchtschwachen Objekten in einem kleinen Himmelsabschnitt und konnten auf diese Weise vier sehr alte entfernte Galaxien identifizieren. Aufgrund der endlichen Lichtgeschwindigkeit sieht man sie heute zu einem Zeitpunkt, als das Universum 3 bis 3,5 Milliarden Jahre alt war.

Image courtesy of Piero Rosati and Bob Fosbury, ESO Garching

Hubble-Aufnahme mit einer der "frühreifen" Galaxien im Zentrum. Image courtesy of Piero Rosati and Bob Fosbury, ESO Garching

Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt hatten die vier Galaxien gut 100 Milliarden Sonnenmassen angesammelt und ihre besten Jahre sogar schon hinter sich gebracht. Gemessen am Alter ihrer Sterne, müssen die rötlich schimmernden Eminenzen gut 1,5 bis 2,5 Milliarden Jahre nach dem Urknall entstanden sein - rund vier Milliarden Jahre früher als vermutet. Ähnliche Resultate erhielten Karl Glazebrook von der Johns Hopkins University in Baltimore und seine Kollegen bei ihren Beobachtungen. Geht man in der Vergangenheit des Universums zurück, nimmt die Häufigkeit großer Galaxien demnach deutlich langsamer ab, als theoretisch vorhergesagt.

"Mit diesen sicheren Belegen dafür, dass es schon vor bis zu zehn Milliarden Jahren viele alte, große Galaxien gab, wird klar, dass selbst die besten Modelle die Evolution der Galaxien nicht vollständig erklären können", kommentiert Gregory Wirth vom Keck Observatory auf Hawaii die beiden Studien. Entweder hätten sich massereiche Galaxien früher gebildet als bislang angenommen oder aber die Sterne in ihnen seien auf gänzlich ungewöhnliche Art entstanden.


Forschung: Andrea Cimatti, Istituto Nazionale di Astrofisica - Osservatorio Astrofisica di Arcetri, Firenze; Karl Glazebrook, Department of Physics and Astronomy, Johns Hopkins University, Baltimore, Maryland; und andere

Veröffentlicht in Nature, Vol. 430, 8. Juli 2004, pp 181-4 und 184-7

WWW:
Homepage Andrea Cimatti
Homepage Karl Glazebrook
Evolution of Galaxies

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: