15.7.2004, 20:03 Uhr
Hormone machen den Ruf der Liebe hörbar

Liebe mag blind machen, auf die Ohren schlägt sie in keinem Fall. Das gilt zumindest für Bootsmannfische, berichten amerikanische Biologen im Magazin "Science". Bei dieser Art verändert im Blut zirkulierendes Östrogen das Gehör der Weibchen derart, dass sie den Lockruf der Männchen besser wahrnehmen können.

"Die von uns entdeckte neurale Plastizität könnte bei allen Wirbeltieren von Bedeutung sein", glaubt Joseph Sisneros von der University of Washington in Seattle. So gebe es Hinweise darauf, dass bei Frauen die Empfindlichkeit des Gehörs im Laufe des Menstruationszyklus schwanke. "Östrogenrezeptoren gibt es auch im Innenohr des Menschen", ergänzt Paul Forlano von der Cornell University in Ithaca. "Unsere Studie zeigt nun eine mögliche Funktion auf."

Bootsmannfisch-Männchen und Nachwuchs

Ganz der Papa. Foto: Courtesy of Margaret Marchaterre, Cornell University

Die Forscher und ihre Kollegen studierten den Bootsmannfisch Porichthys notatus, einen gut ellenlangen Bewohner des Ostpazifiks. In der Paarungszeit richten sich die Männchen unter großen Steinen in der Gezeitenzone "häuslich" ein und produzieren dann minutenlange Brummlaute, um Weibchen anzulocken und zur Eiablage zu bewegen. Die Laute haben einen Grundton um 100 Hertz, besonders weit tragen im flachen Wasser die Obertöne bei 200 und 300 Hertz. Doch ausgerechnet in diesem Frequenzbereich nimmt die Empfindlichkeit des weiblichen Gehörs rasch ab, hatten frühere Untersuchungen gezeigt.

Erst in der Paarungszeit passt sich das Innenohr der Weibchen an die Lockrufe der Männchen an. Um die Rolle der Hormone bei dieser Umstellung zu testen, fingen Sisneros und Kollegen einige Weibchen außerhalb der Paarungssaison und versahen sie mit Implantaten, die 17-beta-Östradiol freisetzten. Nach einigen Wochen hatte sich das Gehör der Tiere tatsächlich so verändert, dass es Frequenzen bis zu 300 Hertz unverändert gut registrierte. Die gleiche Wirkung hatten Testosteron-Implantate, berichten die Forscher. Vermutlich rühre dieser Effekt daher, dass Testosteron teilweise zu Östradiol umgewandelt werde.


Forschung: Joseph A. Sisneros, Paul M. Forlano, David L. Deitcher und Andrew H. Bass, Department of Neurobiology and Behavior, Cornell University, Ithaca, und Department of Psychology, University of Washington, Seattle

Veröffentlicht in Science, Vol. 305, 16. Juli 2004, pp 404-7

WWW:
Porichthys notatus
Die Laute des Bootsmannfischs
Kommunikation von Fischen

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