13.2.2004, 11:48 Uhr
Hirsche: Komfort gegen Lebensjahre

Rothirsche im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark können ganzjährig den Komfort heißer Quellen genießen. Dafür zahlen die Tiere allerdings einen hohen Preis, haben amerikanische Ökologen entdeckt. Der extrem hohe Fluoridgehalt des Quellwassers nagt an den Zähnen der Tiere und verurteilt sie zu einem vorzeitigen Tod.

"Bei Huftieren entscheidet der Zahnverschleiß über die Lebensdauer", erläutert Robert Garrott von der Montana State University in Bozeman. Er schätzt, dass in der Nähe heißer Quellen oder Tümpel grasende Hirsche mindestens fünf Jahre früher sterben als solche, die in anderen Gebieten des Nationalparks leben. "Sie können nach wie vor grasen und kauen, mit ihren angegriffenen Zähne können sie pflanzliche Gewebe jedoch nicht mehr genügend aufschließen", so Garrott. Durch Unterernährung geschwächt, würden die Tiere rasch Beute von Wölfen.

Foto: Robert Garrott/MSU

Foto: Robert Garrott/MSU

Der Ökologe und seine Kollegen untersuchten den Einfluss von Waldbränden auf den für seine heißen Quellen und Geysire berühmten Nationalpark. Dabei fiel ihnen auf, dass Rothirsche (Cervus elaphus) in einem geologisch besonders aktiven Gebiet kaum älter als 15 Jahre wurden - verglichen mit über 20 Jahren in anderen Gebieten. Als in einem strengen Winter viele Tiere starben, nahmen die Forscher deren Gebiss genauer unter die Lupe und stellten ungewöhnliche Abriebmuster und einen starken Verschleiß fest.

Weitere Analysen zeigten, dass das Wasser der ganzjährig eisfreien Quellen und Tümpel im Untergrund große Mengen von Fluoriden aufgenommen hatte. "Geringe Fluoridgehalte nützen den Zähnen", betont Garrott mit Hinweis auf Zahnpflegeprodukte. Würden Menschen jedoch ähnlich fluoridhaltiges Wasser wie die Hirsche im Yellowstone-Nationalpark trinken, hätten sie ebenfalls mit starkem Zahnverschleiß zu kämpfen. Bei den Wiederkäuern komme noch hinzu, dass der Silikatstaub in den vulkanischen Böden des Parks wie Schmirgelpapier auf ihre Zähne wirke.


Forschung: Robert A. Garrott, Ecology Department, Montana State University, Bozeman

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