10.2.2004, 14:53 Uhr
Bleierner Schnee auf der Venus
Radarbilder der Venus zeigen, dass die Hochlagen unseres Nachbarplaneten von einer Art "Schnee" bedeckt sind. Aber selbst extrem druck- und hitzefeste Wintersportler dürften an dem Material keine Freude haben, sind zwei amerikanische Geowissenschaftler überzeugt. Ihren Berechnungen zufolge besteht die Schicht aus schwarzgrauen Blei- und Bismutverbindungen und ist nur wenige Millimeter dick.
Umso interessanter dürfte das Material für Planetenforscher sein, glauben Laura Schaefer und Bruce Fegley von der Washington University in St. Louis. Anhand des Bleis, Endpunkt verschiedener radioaktiver Zerfallsreihen, könnte nämlich das genaue Alter der Venus ermittelt werden. "Das Aufregende an unseren Ideen ist die Tatsache, dass sie mit derzeit in Planung befindlichen Raumfahrzeugen getestet werden könnten", so Fegley.
Schaefer und Fegley mit etwas Venusschnee (Bleisulfid). Foto: David Kilper/WUSTL
Masse und Größe lassen die Venus als Zwilling der Erde erscheinen. Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius, ein Umgebungsdruck wie in einem Kilometer Wassertiefe und nicht zuletzt die schwefelsaure Atmosphäre sorgen allerdings für wahrhaft höllische Bedingungen. Anfang der 90er-Jahre hatte die Sonde Magellan die Oberfläche des Planeten mit Radarstrahlung abgetastet und neben Vulkanen und Lavaströmen auch den stark reflektierenden "Schnee" entdeckt.
Schaefer und Fegley analysierten nun alle verfügbaren Daten über die Venusatmosphäre, um Ursprung und Zusammensetzung des Materials einzugrenzen. Demnach schleudern die Vulkane Schwermetalle in die oberen Atmosphärenschichten. Dort reagieren die Metalle mit Schwefelverbindungen, die wiederum kondensieren und abwärts sinken. Ausgerechnet Tellur - bislang der heißeste Schnee-Kandidat - bilde unter den örtlichen Bedingungen jedoch ein stabiles Gas, schreiben die Forscher im Fachblatt "Icarus". Umgekehrt passten die elektrischen Eigenschaften von Blei- und Bismutsulfiden sehr gut zu den Daten Magellans.
Forschung: Laura Schaefer und Bruce Fegley, Jr., Planetary Chemistry Laboratory, Department of Earth and Planetary Sciences, Washington University, St. Louis, Missouri
Veröffentlicht in Icarus, Vol. 168(1), März 2004, pp 215-9, DOI 10.1016/j.icarus.2003.11.023
WWW:
Planetary Chemistry Lab, Washington University
Venus
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