22.1.2004, 9:35 Uhr
Neandertaler waren der Eiszeit nicht gewachsen
Dass die Neandertaler vor rund 30.000 Jahren ausstarben, ist nicht anderen frühen Menschen anzulasten, sondern dem Klima. Davon sind eine Gruppe europäischer Anthropologen, Archäologen und Geologen überzeugt. Demnach trieb die Eiszeit die Neandertaler nach Süden, wo sie nicht genügend Nahrung fanden.
Die neue These zum Leben und Sterben der Frühmenschen hat eine Gruppe von 30 Wissenschaftlern vom so genannten "Stage 3 Project" unter Leitung von Tjeerd van Andel von der Universität Cambridge aufgestellt. Das Team setzte sämtliche Funde aus der Zeit vor 20.000 bis 40.000 Jahren in Zusammenhang. Die Forscher stützen ihre Thesen auf Spuren aus über 400 archäologischen Stätten, fossilen Knochen und Steinwerkzeugen.
Ergänzend wurden Daten aus Klimasimulationen in die Interpretation einbezogen. Aus dem Material erstellten die Forscher eine Reihe von Karten, die den Klimawandel, den Tierbestand und die Wanderungen der frühen Menschen während der Eiszeit nachzeichnen.
Demnach soll den Neandertalern schlicht das technische Wissen gefehlt haben, wie der Kälte zu begegnen sei. Sie flohen vor rund 30.000 Jahren, als die Gletscher Europa überzogen und die Temperaturen auf bis zu minus 10 Grad Celsius sanken, ins südliche Frankreich und bis an die Küste des Schwarzen Meeres. Dort sollen die letzten Überlebenden vor rund 28.000 Jahren ausgestorben sein, weil sie nicht genügend Nahrung fanden.
Wesentlich besser ausgerüstet seien dagegen die Menschen der Gravettien-Kultur gewesen, erklärte Paul Pettitt von der Universität Sheffield gegenüber dem Magazin "New Scientist". Die Gravettien-Menschen seien vor 29.000 bis 30.000 Jahren mit neuen Werkzeugen und Waffen, mit Fischernetzen und vor allem wärmender Kleidung aus Osteuropa eingewandert.
Dank dieser Ausrüstung dominierten sie Europa bis vor etwa 18.000 Jahren. Ihre Technik ermöglichte es ihnen, Rentiere und Bisons zu erlegen, die es während der gesamten Eiszeit in großer Zahl gegeben haben soll.
Forschung: Stage 3 Project
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