21.1.2004, 19:09 Uhr
Die Einsicht kommt im Schlaf
Ein vermeintlich kompliziertes Problem löst sich oft wie von selbst, wenn man nur eine Nacht "drüber geschlafen" hat. Handfeste Belege für dieses Phänomen präsentieren Lübecker und Kölner Forscher im Magazin "Nature". Ihre Versuchsteilnehmer fanden dreimal häufiger eine Abkürzung für längliche Vergleichsaufgaben, wenn sie zwischenzeitlich acht Stunden Schlaf bekommen hatten.
Jan Born von der Universität zu Lübeck und seine Kollegen stellten ihre 66 Versuchsteilnehmer vor eine einfache, aber eintönige Aufgabe: Dabei galt es, die ersten zwei Ziffern einer Ziffernfolge zu vergleichen, je nach Ergebnis eine neue Ziffer einzusetzen, diese wiederum mit der dritten Ziffer zu vergleichen und so fort bis zur letzten Ziffer der Folge. Was die Teilnehmer nicht wussten: Die Ziffernfolgen waren so konstruiert, dass das Endresultat schon beim zweiten Vergleich als Zwischenergebnis auftauchte. Wer diese versteckte Regel erkannte, konnte die Aufgaben deutlich schneller erledigen. Dementsprechend stoppten die Forscher die jeweils benötigte Zeit.
Nach einer Trainingsphase wurde ein Teil der Probanden ins Bett geschickt, die übrigen mussten acht Stunden lang wach bleiben. Es folgte eine weitere Runde von Ziffernvergleichen. Dabei zeigte sich, dass die Gehirne der Schläfer nicht untätig gewesen waren: Bei fast 60 Prozent von ihnen fiel in dieser Versuchsphase der Groschen und die Antwortzeiten gingen drastisch zurück, verglichen mit nur 20 Prozent der Nicht-Schläfer.
Zumindest bei den Schläfern kündigte sich die Einsicht schon in der Trainingsphase an, berichten Born und seine Kollegen. Wer später die versteckte Regel erkannte, war sogar etwas langsamer als weniger "einsichtige" Teilnehmer. Möglicherweise suchten diese Personen nach einem versteckten Muster und benötigten deshalb anfänglich mehr Zeit, vermuten die Forscher. Indem das Gehirn die Information im Schlaf neu sortierte, machte es dann Platz für den aufkeimenden Verdacht.
Forschung: Ullrich Wagner, Steffen Gais und Jan Born, Klinische Forschergruppe Neuroendokrinologie, Universität zu Lübeck; und andere
Veröffentlicht in Nature, Vol. 427, 22. Januar 2004, pp 352-5
WWW:
Neuroendokrinologie, Uni Lübeck
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin
| [Zurück] | |

