20.1.2004, 11:41 Uhr
Blindmäuse lesen das Magnetfeld
Blindmäuse nutzen einen magnetischen "Fahrtenschreiber", um sich zielsicher durch ihre unterirdischen Gänge zu bewegen. Das zeigen Experimente, die israelische und Schweizer Wissenschaftler durchgeführt haben. Zumindest bei längeren Ausflügen in ihrem Tunnelsystem finden die Tiere mit diesem System zu ihrem Ausgangspunkt zurück.
Wer sich in einer fremden Stadt verlaufen hat, kann sich anhand von Kirch- oder Funktürmen orientieren. Auf ganz ähnliche Weise navigieren Wüstenameisen und viele andere Tiere mit Landschaftsmerkmalen oder dem Sonnenstand. Die Forscher um Tali Kimchi von der Universität Tel Aviv untersuchten nun, wie die Blindmaus Spalax ehrenbergi sich in ihrem mehrere Dutzend Meter langen Tunnelsystem zurechtfindet.
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Die Forscher trainierten die von Geburt an blinden Tiere darauf, durch verschiedene Labyrinthe zu laufen und dann auf dem kürzesten Weg zu ihrem Nest zurückzukehren. Wie sie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, spielte das Erdmagnetfeld dabei eine wichtige Rolle. Zumindest nach längeren Laufstrecken mit vielen Schwenks schlugen die Nager den falschen Rückweg ein, wenn die Forscher zwischenzeitlich die Richtung des Magnetfelds in der Umgebung geändert hatten. Für die Kurzstreckennavigation schienen sich die Mäuse dagegen auf den Drehsinn im Innenohr zu verlassen.
Eines der Labyrinthe bestand aus einer zentralen Kammer, strahlenförmig davon ausgehenden Tunneln sowie einem äußeren Rundgang ähnlich einem Rad samt Nabe, Speichen und Felge. Von ihrem Nest aus gelangten die Tiere zunächst in den äußeren Gang und stöberten dort eine Weile herum. Schließlich öffnete sich einer der Speichen-Gänge und gab den Weg zur zentralen Kammer samt darin platzierten Leckerbissen frei. Unter normalen Bedingungen wählten die Tiere für den Rückweg jenen Speichen-Gang, der sie direkt zu ihrem Nest führte. Aktivierten die Forscher ein Paar Magnetspulen, während die Blindmäuse das Futter verspeisten, liefen die Tiere prompt in den falschen Gang.
Forschung: Tali Kimchi und Joseph Terkel, Department of Zoology, Faculty of Life Sciences, Tel Aviv University; Ariane S. Etienne, Faculté de Psychologie et de Sciences de l'Éducation, Université de Genève
Online-Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.0307560100
WWW:
Zoologie, Universität Tel Aviv
Spalax
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