5.12.2003, 12:24 Uhr
Sonnenlicht lässt Asteroiden driften
Amerikanische und tschechische Astronomen haben erstmals den Einfluss des Sonnenlichts auf Asteroiden direkt nachgewiesen. Da der Asteroid Golevka die Energie des Sonnenlichts mit einer leichten Verzögerung wieder abstrahlt, haben sich seine Umlaufbahn und seine Eigendrehung innerhalb weniger Jahre messbar verändert. Ihre Resultate präsentieren die Forscher im Magazin "Science".
Über Jahrmillionen könne diese Drift Asteroiden auf Bahnen bringen, auf denen sie durch die Schwerkraft benachbarter Planeten in das innere Sonnensystem umgeleitet würden, schreiben die Forscher um Stephen Chesley vom Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena und David Vokrouhlichký von der Karls-Universität Prag. Dieser Effekt müsse berücksichtigt werden, wenn man die Bahnen potenzieller Erdbahnkreuzer voraussagen wolle.
Modell von 6489 Golevka. Bild: NASA
Anhand eines genauen Modells des Asteroiden Golevka schätzten die Forscher ab, wie stark der rund 530 Meter große Gesteinsbrocken durch den so genannten Yarkowsky-Effekts beeinflusst wird. Dieser Effekt kommt dadurch zustande, dass sich die Tagesseite eines Asteroiden - ebenso wie die der Erde - allmählich erwärmt. Sein "Nachmittags-Abschnitt" gibt daher besonders viel Wärmestrahlung ab, deren Rückstoß wie ein kleines Triebwerk wirkt.
Mit Hilfe des Arecibo-Radioteleskops verfolgten die Forscher, wie Golevka im Mai 2003 die Erde passierte. Laufzeit und Frequenzverschiebung des Radarsignals zeigten, dass der Abstand des Asteroiden etwa 15 Kilometer größer und seine Eigendrehung schneller war, als aufgrund von Beobachtungen in den Jahren 1991 bis 1999 erwartet. Erst der Yarkowsky-Effekt könne diese Abweichung erklären, schreiben die Astronomen. Ihre Berechnungen bestätigten zudem die Annahme, dass Golevka von zahlreichen Rissen und Klüften durchzogen ist. Seine berechnete Dichte liege nämlich deutlich unter dem erwarteten Wert.
Forschung: Steven R. Chesley und Steven J. Ostro, Jet Propulsion Laboratory, Pasadena, Kalifornien; David Vokrouhlichký und David Capek, Institut für Astronomie, Karls-Universität Prag; und andere
Veröffentlicht in Science, Vol. 302, 5. Dezember 2003, pp 1739-52
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6489 Golevka - Ein Kollisionsfragment?
Asteroids
Asteroid Radar Research
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