28.11.2003, 16:59 Uhr
Astronomen finden "verlängerten" Stern
Scheinbar widersinnig verhält sich der größte Stern der Milchstraße, hat eine internationale Astronomengruppe entdeckt. Ihren Beobachtungen zufolge ist die äußere Hülle des rasch rotierenden Sterns Eta Carinae stark deformiert. Jedoch scheint sie nicht abgeplattet, wie beispielsweise die Erde aufgrund ihrer Eigendrehung, sondern polwärts in die Länge gezogen.
"Dies ist eine überraschende Umkehrung der üblichen Situation, dass Sterne oder Planeten aufgrund der Zentrifugalkraft an den Polen abgeflacht sind," sagt Roy van Boekel von der Universität Amsterdam. Er und seine Kollegen nutzten eines der Großteleskope am Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile, um den rund 7.500 Lichtjahre entfernten Stern Eta Carinae bzw. dessen Umgebung unter die Lupe zu nehmen. Die Bilder lassen vermuten, dass der riesige Stern täglich mehr als eine Erdmasse an geladenen Partikeln ins All hinausbläst.
Der von Eta Carinae ausgestoßene Homunculus-Nebel. Bild: NASA/HST/J. Morse/K. Davidson
Zusätzlich schalteten die Astronomen zwei kleinere Instrumente des Observatoriums zu einem Interferometer zusammen. Auf diese Weise gelangen ihnen Aufnahmen, die trotz der riesigen Entfernung lediglich 1,5 Milliarden Kilometer große "Feinheiten" zeigen. Demnach ist die äußere Hülle des riesigen Sterns entlang einer Achse auf das 1,5fache verlängert, berichtet die Gruppe im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics". Diese Achse stimmt überein mit der des so genannten Homunculus-Nebels - zwei pilzförmigen Materiewolken, die der alternde Stern im Jahr 1841 in entgegengesetzte Richtungen ausgestoßen hatte.
Laut van Boekel gibt es eine gute Erklärung für das paradox anmutende Phänomen: Vermutlich sei Eta Carinae aufgrund seiner raschen Eigenrotation tatsächlich abgeplattet. Dadurch kämen die Polregionen jedoch näher an die Region der Kernfusion im Innern des Sterns heran und würden stärker aufgeheizt als die Äquatorregion. Daher produzierten sie einen stärkeren Sternwind, der wiederum die äußere Hülle über den Polen verzerre. Anhand der beobachteten Deformation schätzen der Astronom und seine Kollegen, dass Eta Carinae mit über 90 Prozent jener Geschwindigkeit rotiert, bei der ihn die Zentrifugalkraft förmlich zerreißen würde.
Mehr Hüftspeck - was Eta Carinae in die Länge drückt. Copyright ESO
Forschung: Roy van Boekel, Sterrenkundig Instituut, Universiteit van Amsterdam, und ESO, Garching; Tom Herbst, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg; und andere
Veröffentlicht in Astronomy & Astrophysics, Vol. 410(3), pp L37-L40, DOI 10.1051/0004-6361:20031500
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Eta Carinae
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