8.12.2003, 14:31 Uhr
Wespenspinnen sterben für mehr Nachwuchs
Eigentlich würde männlichen Wespenspinnen eine blitzartige Kopulation genügen. Doch trotz Gefahr für Leib und Leben ziehen sie den Akt häufig in die Länge. Bonner Biologen haben nun ermittelt, dass die unerschrockenen Freier auf diese Weise ihre Vaterschaftschancen für den Fall erhöhen, dass ihre Angebetete sich mit weiteren Männchen einlassen sollte.
Weibliche Wespenspinnen (Argiope bruennichi) werden ungeduldig und verspeisen ihre Liebhaber, wenn der Akt länger als acht bis zehn Sekunden dauert. Nur zwei von zehn Männchen schaffen rechtzeitig den Absprung, versuchen es wenig später jedoch beim selben Weibchen noch einmal. "Die Tiere investieren alles in das eine Weibchen", so Jutta Schneider von der Universität Bonn. "Dabei konnten wir in Experimenten zeigen, dass schon eine fünfsekündige Kopulation ausreicht, um sämtliche Eier des Weibchens zu befruchten - das sind immerhin mehrere Hundert."
Foto: Dr. Jutta Schneider/Uni Bonn
Dass die Männchen sich als "Brautgabe" verspeisen lassen, damit die Weibchen dank der zusätzlichen Kalorien mehr Eier legen können, schließen Schneider und ihr Team nach entsprechenden Experimenten aus. Um das Rätsel zu lösen, sterilisierten sie einige Männchen mit Gammastrahlung: Die Spermien der Tiere konnten zwar noch Eizellen befruchten, aufgrund der DNA-Schäden entstanden daraus aber keine Nachkommen. Schließlich ließen die Spinnenforscher zunächst ein bestrahltes und dann ein unbestrahltes Männchen mit demselben Weibchen kopulieren. Ein gezielter Schuss aus der Wasserpistole trieb die Paare zu festgesetzten Zeiten auseinander.
Das Resultat: Je länger das bestrahlte Männchen im Vergleich zu seinem unbestrahlten Rivalen dem Weibchen beiwohnen durfte, desto weniger Nachkommen entschlüpften schließlich den Eiern, desto mehr Eizellen waren also von seinem sterilen Sperma befruchtet worden. Wahrscheinlich steige die Menge der übertragenen Spermien mit der Länge der Kopulation, so Schneider. "Kommt es dann zu einer weiteren Kopulation, hat das Männchen die besseren Karten, das die meisten Samenzellen injizieren konnte. Eine lange Kopulation scheint daher die Chancen des Spinnenmannes im Spermienroulette zu verbessern - auch wenn sie tödlich endet."
Forschung: Jutta Schneider, Institut für Evolutionsbiologie und Zooökologie, Universität Bonn
Veröffentlichung in Behavioral Ecology and Sociobiology
WWW:
Homepage Jutta Schneider
Die Wespenspinne
Wespenspinne beim Kokonbau
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