1.12.2003, 13:15 Uhr
Osteoporose: Von Bären lernen

Mangelnde körperliche Aktivität führt beim Menschen und den meisten anderen Säugern zum Abbau von Knochensubstanz. Bären können sich dagegen ungestraft auf die faule Haut legen, haben amerikanische Forscher ermittelt. Ihren Untersuchungen zufolge geht der Aufbau von Knochenmasse bei Schwarzbären auch während des monatelangen Winterschlafs weiter.

Möglicherweise handle es sich dabei um eine Art Recycling-Strategie, vermutet Seth Donahue von der Michigan Technology University in Houghton. Anders als die meisten Winterschläfer produzierten Schwarzbären (Ursus americanus) während der winterlichen Ruhe weder Urin noch Kot. "Sie haben keine Möglichkeit, überschüssiges Calcium loszuwerden, die logische Lösung ist daher, es wieder in den Knochen einzubauen", so der Forscher gegenüber dem Magazin "New Scientist".

Knochen kann sich Belastungen optimal anpassen, da er laufend abgebaut und wieder aufgebaut wird. Etwa bei bettlägerigen Menschen oder Astronauten führt die Nicht-Belastung dazu, dass die Abbaurate steigt und die Aufbaurate sinkt. Donahue und seine Kollegen gingen nun Hinweisen nach, dass Schwarzbären im Winterschlaf keinen Verlust an Knochensubstanz erfahren. Über einen Zeitraum von 196 Tagen - vor, während und nach dem Winterschlaf - nahmen sie dazu alle zehn Tage Blutproben von Schwarzbären und analysierten sie auf die gleichen Marker, die auch zur Bewertung menschlicher Osteoporose-Patienten eingesetzt werden.

Die Laboranalyse bestätigte die Vermutung, berichtet das Team im "Journal of Experimental Biology". Zwar war die Rate des Knochenabbaus während des Winterschlafs erhöht. Gleichzeitig blieb die Rate des Knochenabbaus jedoch konstant und schnellte gegen Ende der Ruheperiode sogar in die Höhe, so dass sich Auf- und Abbau insgesamt die Waage hielten. Genauere Untersuchungen könnten vielleicht neue Ansatzpunkte zur Behandlung der Osteoporose liefern, hofft Donahue.


Forschung: Seth W. Donahue, Department of Biomedical Engineering, Michigan Technology University, Houghton; Henry J. Donahue, Department of Orthopaedics and Rehabilitation, Pennsylvania State University, Hershey; und andere

Veröffentlicht in Journal of Experimental Biology, Vol. 206, pp 4233-9, DOI 10.1242/jeb.00671

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Osteoporose

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