4.12.2003, 20:54 Uhr
Korallen im Skagerrak: Leben am Ökologischen Limit
Die Weiße Lophelia gehört zu den Tiefseekorallen, die in der Regel Meerestiefen bis zu 1.000 Metern bevorzugen. Im norwegisch-schwedischen Grenzgebiet im Skagerrak kommen sie dagegen schon in nur 80 bis 120 Metern Tiefe vor. Das fanden deutsche Forscher auf einer Expedition mit dem Kieler Forschungsschiff Alkor heraus.
André Freiwald und seine Kollegen vom Institut für Paläontologie der Universität Erlangen-Nürnberg erkundeten in einem internationalen Verbundprojekt der Europäischen Forschungsgemeinschaft die Schärenlandschaft am Eingang des Oslo-Fjordes. Die Gletscher der letzten Eiszeit hinterließen dort eine bizarre Landschaft über und unter dem Meeresspiegel mit unzähligen, bis heute nur wenig kartierten Untiefen.
Mit einem Fächerecholot wurde der Meeresboden in der Hoffnung abgetastet, die für Korallenriffe typischen Strukturen abzubilden. Fischer hatten wiederholt von lebenden Korallen in ihren Netzen berichtet. Drei solcher Riffe entdeckte die Besatzung der Alkor im Skagerrak. Mit Greifinstrumenten, die Proben sammelten, und Sonden zur Wasseranalyse vervollständigten die Forscher ihre Informationen.
Die Lophelia-Kolonien haben nur einen äußerst engen Lebensraum zur Verfügung. Brackwasser aus der Ostsee, das unverträglich für die Korallen ist, fließt als obere Strömung in Richtung Atlantik. Es wirkt wie ein Deckel an der Meeresoberfläche. Darunter ragt eine dünne Wasserzunge als Tiefenstrom vom atlantischen Ozean in das Skagerrak hinein. Nur in dieser schmalen Nische können die Kaltwasserkorallen siedeln.
Das Leben der Korallen am ökologischen Limit hat mit erdgeschichtlichen und klimatischen Veränderungen zu tun, sagen die Forscher. Vor etwa 10.000 Jahren schmolz der skandinavische Eispanzer vergleichsweise rasch ab. Infolgedessen hob sich der Untergrund des Oslo-Region um fast einen Kilometer.
Die lebenden Riffe stiegen mit dem Meeresboden nach oben. Halte diese Tendenz an. so die Forscher, bedeute dies das Ende der Korallen im Oslo-Fjord - nicht durch menschliche Eingriffe bedingt, sondern durch eine geologische Entwicklung. Bereits abgestorbene Riffkomplexe, von riesigen Schwämmen überzogen, zeigen, wie dieses Ende aussehen könnte.
Forschung: André Freiwald, Institut für Paläontologie, Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Paläontologie:
http://www.geol.uni-erlangen.de/pal/
| [Zurück] | |

