4.12.2003, 13:52 Uhr
"Persönlichkeit" bei Affen überwiegend vererbt

Ob man sich seinen Platz in der Gesellschaft durch Beißen oder Kuscheln sichert, scheint zumindest bei Rhesusaffen eher eine Frage der Vererbung denn der Erziehung zu sein. Das lassen die Versuche eines amerikanischen Primatenforschers vermuten. Von fremden Weibchen großgezogene Tiere ähnelten in ihrem Verhalten kaum ihren Ziehmüttern, sehr stark dagegen ihren biologischen Müttern.

Dario Maestripieri von der University of Chicago verfolgte den Werdegang von zehn weiblichen Rhesusaffen (Macaca mulatta), die er unmittelbar nach der Geburt in die Hände von Ziehmüttern gegeben hatte. Bislang sei man davon ausgegangen, dass das Lernen vom Muttertier in der weiblich geprägten Affengesellschaft eine wichtige Rolle spiele, so der Forscher. "Die Ergebnisse haben mich überrascht."

Drei Jahre lang beobachtete Maestripieri, wie sich die Tiere entwickelten und welche Verhaltensweisen sie zeigten. Beispielsweise notierte er, wie häufig sie Artgenossen drohten, sie schlugen, bissen oder aber friedlichen Körperkontakt mit ihnen suchten. Wie der Forscher im Fachblatt "Developmental Psychobiology" berichtet, ähnelte das Verhalten der Sprösslinge nur dem ihrer leiblichen Mütter. Beispielsweise legten Tiere mit eher aggressiven Müttern ebenfalls häufig ein ruppiges Verhalten an den Tag - selbst dann, wenn ihre Ziehmütter auf Harmonie aus waren.

"Die Vererbung hat einen verblüffend bedeutsamen Effekt auf die Grundlagen des Verhaltens junger Rhesusaffen", kommentiert Joan Silk von der University of California, Los Angeles. "Diese Resultate haben wichtige Konsequenzen für unser Wissen darüber, wie die Evolution Verhalten und Temperament von Primaten und Menschen formt." Möglicherweise seien erbliche Verhaltenszüge durch die natürliche Selektion geprägt und stellten eine Anpassung an unterschiedliche "sozio-ökologische Nischen" in der Affengesellschaft dar, vermutet Maestripieri.


Forschung: Dario Maestripieri, Animal Behavior Research Group, University of Chicago, Illinois, und Yerkes National Primate Research Cetner, Atlanta, Georgia

Veröffentlicht in Developmental Psychobiology, Vol. 43(4), Dezember 2003, pp 321-7

WWW:
Homepage Dario Maestripieri
Nature / Nurture
Nature, Nurture and Early Brain Development

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