9.12.2003, 20:41 Uhr
Frostige Zeiten ließen Pinguine wandern

Die Ross-Insel am Rande des Ross-Eisschelfs wird erst seit rund 500 Jahren von Pinguinen besiedelt. Davon sind amerikanische Forscher überzeugt. Sie konnten mit Hilfe der Radiocarbon-Methode nachweisen, dass erst eine Jahrhunderte andauernde Schmelze des Schelfs den Pinguinen die Chance eröffnete, auf der Insel zu nisten.

Ein Forscherteam unter der Leitung von Steven Emslie von der University of North Carolina hatte Gesteinsproben von verlassenen Adeliepinguin-Nistplätzen gesammelt. Die Tiere zogen einst im Viktorialand an der Küste zum Rossmeer ihren Nachwuchs auf. Die Altersbestimmung des Gesteins ergab jetzt, dass die Kolonie vor etwa 2.000 Jahren von den Pinguinen aufgegeben wurde.

Wahrscheinlich sei damals das südliche Rossmeer komplett zugefroren, vermutet Emslie. Seiner Meinung nach begaben sich die Pinguine auf eine lange Wanderschaft, um ihren Nachwuchs möglichst nahe am offenen Ozean aufziehen zu können. Erst seit etwa 1.000 Jahren gehe das Eisschelf wieder zurück, schätzt der Forscher.

Bei ihrer Reise über das Eis hätten die Pinguine schließlich auch die vor der Küste gelegene Ross-Insel erreicht. Diese sei vor etwa 500 bis 600 Jahren vom zurückweichenden Schelf frei gegeben worden und biete seitdem Nistplätze für die Adeliepinguine.

Die Wanderung beweise, dass die Tiere sich gut den klimatischen Veränderungen anpassen könnten, meint Emslie. Ihre Anpassungsfähigkeit ist auch jetzt wieder gefordert: Seit im März 2000 der Eisberg B-15A vom Schelf abgebrochen ist, hat er einen mehrjährigen "Eisstau" im Rossmeer verursacht. Dieser Stau blockiert den Abfluss der Schollen, vergrößert das Schelf und versperrt letztlich den Pinguinen den Zugang zum offenen Meer. Die Zahl der Brutpaare auf der nun ungünstig gelegenen Insel ist seitdem drastisch gesunken.


Forschung: Steven D. Emslie, University of North Carolina at Wilmington

Emslies Studie als PDF-Datei

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: