9.3.2004, 16:56 Uhr
Tiefster Blick ins All zeigt erste Galaxien

Mit Hilfe des Weltraumteleskops Hubble haben amerikanische Astronomen tiefer in den Kosmos geschaut als jemals zuvor. Die neuen Aufnahmen zeigen gut zehntausend Galaxien in einem winzigen Ausschnitt des Nachthimmels - einige davon aus einer chaotischen Zeit, als das Universum lediglich 400 Millionen Jahre alt war.

Fast eine Million Sekunden lang ließen Massimo Stiavelli vom Space Telescope Science Institute in Baltimore und seine Kollegen das Teleskop auf einen Fleck im Sternbild Fornax (Ofen) starren, um Licht von den am weitesten entfernten Galaxien registrieren zu können. Die als "Hubble Ultra Deep Field" bezeichnete Region erscheint irdischen Beobachtern zehnmal kleiner als der Vollmond. Dementsprechend vergleichen die Astronomen die Aufnahme mit einem Blick durch einen meterlangen Strohhalm.

Bild: NASA/ESA/S.Beckwith(STScI) and The HUDF Team

Blick durch den Strohhalm. Bild: NASA/ESA/S.Beckwith(STScI) and The HUDF Team

Neben der ACS-Kamera für den sichtbaren Bereich des Spektrums setzten die Forscher ein Infrarot-Instrument namens NICMOS ein. Damit lassen sich auch Objekte erkennen, die zu den ersten im Universum gehörten und deren Licht aufgrund der Ausdehnung des Raumes mittlerweile ins Infrarote gedehnt worden ist.

"Hubble bringt uns in Steinwurfweite zum Urknall selbst", formuliert Stiavelli. Anhand der ACS- und NICMOS- Aufnahmen könnten Astronomen nun die früheste Entwicklung des Universums studieren. Zwei frühere, besonders tiefe Aufnahmen des Teleskops hätten Galaxien gewissermaßen als Jugendliche in einem wenige Milliarden Jahre alten Kosmos gezeigt, so der Forscher. "Das Hubble Ultra Deep Field zeigt sie dagegen als Kleinkinder, mitten in einer Periode rascher Veränderungen." Von diesen Veränderungen zeuge bereits die Form der abgelichteten Galaxien: Bei vielen handle es sich um "klassische" Elliptische und Spiralgalaxien, einige ließen jedoch eher an Zahnstocher oder Kettenglieder denken.

Erst kürzlich hatten zwei Astronomengruppen die Entdeckung ähnlich alter Galaxien mit irdischen Teleskopen verkündet. Diese Entdeckung waren jedoch nur möglich, da näher an der Erde liegende Galaxienhaufen ähnlich Sammellinsen das Licht der fernen Objekte bündeln. Stiavelli und seine Kollegen betonen, Hubble könne auch ohne Hilfe solcher Gravitationslinsen in die früheste Jugend des Kosmos spähen.


Forschung: Anton Koekemoer und Massimo Stiavelli, Space Telescope Science Institute, Baltimore, Maryland; und andere

WWW:
HubbleSite
Hubble Deep Field: North - South
Deep Space Timeline

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