5.3.2004, 17:43 Uhr
Feldhase: Schnell durch Fett mit Knick?
Feldhasen bringen es auf bis zu 80 Kilometer pro Stunde und sind damit viermal schneller als Säugetiere vergleichbarer Größe. Der Grund für die außergewöhnlichen Sprintfähigkeiten könnten mehrfach ungesättigte Fettsäuren sein, vermuten Wiener Biologen. Ihren Untersuchungen zufolge weist die Muskulatur der Tiere einen besonders hohen Gehalt der molekularen "Störenfriede" auf.
Beim Feldhasen (Lepus europaeus) enthalten die Membranen der Muskelzellen bis zu 66 Prozent mehrfach ungesättigte Fettsäuren, fanden die Forscher um Thomas Ruf von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Dieser Wert übertrifft die bei anderen Säugetieren gemessenen, gilt allerdings nur für die Skelettmuskulatur der rasanten Langohren. In anderen Geweben liegt der Wert niedriger.
Ungesättigte Fettsäure-Moleküle weisen einen oder mehrere Knicke auf und bringen damit Unordnung in Zellmembranen. Gerade bei niedrigen Temperaturen ist dieser Effekt segensreich - hält er die fettige Membran doch in einem nahezu flüssigen Zustand und damit funktionstüchtig. Dies erklärt, warum im Winter entnommene Gewebeproben höhere Anteile ungesättigter Fettsäuren aufweisen als im Sommer entnommene.
Ruf und sein Team wollen nun untersuchen, ob die Muskeln von Feldhasen aufgrund dieses Effekts besonders gut funktionieren. Und vielleicht würden die geknickten Moleküle ja auch bei anderen Sprintern im Tierreich benötigt. Die Universität weist darauf hin, dass der hohe Anteil ungesättigter Fettsäuren Hasen zu einem besonders gesunden Nahrungsmittel für Menschen macht.
Forschung: Thomas Ruf, Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Veterinärmedizinische Universität Wien; und andere
WWW:
Feldhase
Structure and Function of the Cell Membrane
VU Wien
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