19.2.2004, 13:29 Uhr
Beobachtet: Stern von Schwarzem Loch zerrissen
Eine internationale Astronomengruppe hat erstmals direkt verfolgen können, wie ein Schwarzes Loch in einer fernen Galaxie einen Stern zerreißt und teilweise verschlingt. Die Beobachtung bestätigt Theorien über das Wachstum von supermassiven Schwarzen Löchern und zeigt, dass die Schwerkraftmonster auch in eher unauffälligen Galaxien zu finden sind.
"Sterne verkraften es, beispielsweise in Binärsystemen ein wenig gedehnt zu werden", erläutert Stefanie Komossa vom Garchinger Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik. Indem der Stern in die Nähe eines Schwarzen Lochs mit schätzungsweise 100 Millionen Sonnenmassen geriet, "wurde er jedoch über seine Belastungsgrenze hinaus gedehnt."
Komossa und ihre Kollegen nutzten die drei Weltraumteleskope Hubble, Chandra und XMM-Newton, um die Galaxie RX J1242-11 unter die Lupe zu nehmen. Entdeckt im Jahr 1992 mit dem Röntgensatelliten ROSAT, erscheint sie im sichtbaren Licht als "ganz normale" Galaxie, gibt jedoch ungewöhnlich viel Röntgenstrahlung ab. Die neuen Beobachtungen konnten den Kern der Galaxie als Quelle dieser Röntgenstrahlung ausmachen. Deren Helligkeit hat in den letzten 11 Jahren jedoch um den Faktor 200 abgenommen. Diese Tatsache und das Spektrum der Röntgenstrahlung deuten die Forscher als Zeichen einer kosmischen Mahlzeit.
Das unglückliche Opfer besaß vermutlich eine ähnliche Masse wie unsere Sonne und wurde durch die Begegnung mit einem anderen Stern in Richtung des Schwarzen Lochs gelenkt. Durch das steile Schwerkraftgefälle wurde es in die Länge gezogen und schließlich vollständig zerrissen. Zumindest ein Teil seines Gases wurde in einem Materiestrudel um das Schwarze Loch gefangen, heizte sich dort auf Millionen Grad Celsius auf und sandte - gewissermaßen als letztes Lebenszeichen - Röntgenstrahlung aus, bevor er endgültig hinter dem Ereignishorizont verschwand.
Strahlender Abgang. Bilder: NASA/CXC/MPI für extraterrestrische Physik
Forschung: Stefanie Komossa und Günther Hasinger, MPI für extraterrestrische Physik, Garching; und andere
Veröffentlicht in Astrophysical Journal, Vol. 602, 20. Februar 2004
WWW:
Schwarze Löcher
MPI für extraterrestrische Physik
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