29.1.2004, 10:58 Uhr
Geiersterben durch Entzündungshemmer verursacht?

Ein weit verbreitetes Medikament ist die Ursache für das verheerende Geiersterben in Indien und Pakistan. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Forschergruppe im Magazin "Nature". Indem Bengalgeier Fleisch von Vieh fressen, das mit dem Entzündungshemmer Diclofenac behandelt worden ist, kommt es bei ihnen zu tödlichem Nierenversagen.

"Die Entdeckung, dass ein Medikament für den Zusammenbruch und die drohende Ausrottung dieser Art verantwortlich ist, ist sowohl hilfreich als auch beunruhigend", erläutert Richard Watson von der Vogelschutzorganisation Peregrine Fund. "Hilfreich, weil wir nun etwas dagegen unternehmen und die Spezies vielleicht noch retten können. Beunruhigend, weil dieses Mittel vielleicht nicht das einzige mit Auswirkungen auf wilde Tiere ist."

Foto: Martin Gilbert/The Peregrine Fund

Foto: Martin Gilbert/The Peregrine Fund

Vor einigen Jahren setzte auf dem indischen Subkontinent ein dramatischer Rückgang mehrerer Geierarten ein. Die Vögel sind in der Region nicht nur von kultureller und religiöser Bedeutung. Indem sie Tierkadaver beseitigen, spielen sie eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung und Eindämmung von Infektionskrankheiten. Bislang war vermutet worden, dass die Geier nun selbst Opfer einer Infektion wurden, beispielsweise einer Virusepidemie. Durch Befragung von pakistanischen Tierärzten kamen Watson und seine Kollegen nun auf die Spur des Diclofenac als nierenschädigendem Arzneiwirkstoff.

Tatsächlich fanden sie die Verbindung in allen Kadavern von Bengalgeiern (Gyps bengalensis), die an Nierenversagen gestorben waren. Dagegen war der Wirkstoff bei keinem Tier nachweisbar, das aus anderen Gründen gestorben war. Den stärksten Beleg lieferten Fütterungsexperimente mit in Gefangenschaft lebenden Bengalgeiern: Erhielten sie Fleisch von Büffeln oder Ziegenböcken, denen Diclofenac injiziert worden war, starben je nach verzehrter Fleischmenge bis zu 100 Prozent der Vögel an Nierenversagen. Bei Geiern, die Fleisch von unbehandeltem Vieh gefressen hatten, zeigten sich keine Auffälligkeiten.


Forschung: J. Lindsay Oaks, Department of Veterinary Microbiology and Pathology, Washington State University, Pullman; Richard T. Watson und Munir Z. Virani, The Peregrine Fund, Boise, Idaho; und andere

Online-Veröffentlichung Nature, 28. Januar 2004, DOI 10.1038/nature02317

WWW:
Peregrine Fund
Diclofenac
Vulture Culture

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