26.1.2004, 12:40 Uhr
Pollen verrät Herkunft antiker Schiffswracks
Pflanzenpollen sind bei Allergikern gefürchtet, Archäologen helfen sie jedoch beim Datieren von Fundschichten. Eine weitere Möglichkeit, Nutzen aus den mikroskopisch kleinen Körnchen zu ziehen, hat ein französischer Ökologe entdeckt. In Harz konservierter Pollen erlaubt es, die Herkunft eines untergegangenen Schiffs zu bestimmen.
Schiffswracks und ihre Ladung verraten Archäologen viel über antike Seewege und Schiffsbautechniken, erläutert Serge Muller von der Université Montpellier-2 im "Journal of Archaeological Science". "Unglücklicherweise liefert das archäologische Material jedoch keinerlei Information über die Standorte antiker Werften."
Tatsächlich findet sich eine Art pflanzlicher Herkunftsurkunde, wenn man nur genau hinschaut, berichtet der Forscher. Das Harz, mit dem die Fugen zwischen den Schiffsplanken abgedichtet wurden, enthält artspezifisch geformte Pollen von Bäumen und Kräutern aus der Umgebung der Werft. Indem man anhand der Pollen das Artenspektrum ermittelt und mit der Verbreitung der Pflanzen abgleicht, kann man zumindest auf die Herkunftsregion eines Schiffs schließen.
Muller demonstriert die Technik am Beispiel der "Baie-de-l'Amitié", einem gut 2.000 Jahre alten Schiffswrack im Golfe du Lion vor Südfrankreich. Das Harz enthält unter anderem Pollen von Platanen und von dem Rautengewächs Haplophyllum. Dies zeige, dass das beim Schiffsbau verwendete Platanenholz keine "Importware" gewesen sei, schließt der Ökologe. Und da beide Pflanzengattungen im östlichen Mittelmeerraum beheimatet seien, müsse das kleine Schiff bis zu seinem Untergang eine erstaunliche Strecke zurückgelegt haben.
Forschung: Serge D. Muller, EquipePaléoenvironnements, Institut des Sciences de l'Evolution (ISEM), Université Montpellier-2, Montpellier
Veröffentlicht in Journal of Archaeological Science, Vol. 31(3), März 2004, pp 343-9
WWW:
Homepage Serge Muller
European Pollen Database
Palynology
| [Zurück] | |

