12.1.2004, 14:46 Uhr
Eisen macht Muscheln anhänglich
Muscheln sind berühmt-berüchtigt für ihre Fähigkeit, sich an jeder beliebigen Unterlage anzuheften. Amerikanische Chemiker haben nun herausgefunden, was die Weichtiere so anhänglich macht. Eisen fungiert demnach als Kitt, der die Haftproteine der Tiere zu einer widerstandsfähigen Masse verbindet.
"Die biologische Herkunft dieses Klebers und die Fähigkeit, sich an praktisch jede Oberfläche zu heften, lassen Anwendungen wie etwa einen chirurgischen Klebstoffs verlockend erscheinen", so Jonathan Wilker von der Purdue University in West Lafayette, Indiana. Umgekehrt könnte das neue Wissen vielleicht helfen, Schiffsrümpfe oder Wassereinlässe auf umweltfreundliche Weise von unerwünschten Siedlern freizuhalten.
Eine Miesmuschel hat sich an Teflon geheftet. Foto: Jonathan Wilker, Purdue University/NSF
Untersuchungsobjekt von Wilkers Team ist die Miesmuschel (Mytilus edulis). Mit Hilfe sehr klebriger und reißfester Byssusfäden, die sie in einer speziellen Drüse produzieren, heften sich die Tiere an felsigen Untergrund und Artgenossen, im Zweifelsfall aber auch an Glas oder sogar Teflon. Erst aus dem Meerwasser stammendes Eisen verleiht den Fäden ihre besonderen Eigenschaften, berichten die Forscher im Fachblatt "Angewandte Chemie International Edition". Die Metallatome lagern sich zwischen die einzelnen Proteinmoleküle und verknüpfen sie zu einem stabilen Netzwerk.
"Uns interessiert nun, ob dieser neuartige Mechanismus der Protein-Quervernetzung durch Metalle ein verbreitetes Prinzip in der Biologie ist", so Wilker. Er und seine Kolleginnen wollen künftig auch jene Zemente und Kleber untersuchen, mit deren Hilfe Seepocken, Tang oder Austern Wellen und Gezeiten trotzen.
Forschung: Mary J. Sever, Jaime T. Weisser, Jennifer Monahan, Shalini Srinivasan und Jonathan J. Wilker, Department of Chemistry, Purdue University, West Lafayette, Indiana
Veröffentlicht in Angewandte Chemie International Edition, 12. Januar 2004
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Wilker Research Group
Miesmuscheln
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