15.12.2003, 12:10 Uhr
Schattenhafte Körper-Erweiterung

Das Gehirn sieht den Schatten als Erweiterung des Körpers, haben zwei italienische Psychologen ermittelt. Der vom Körper geworfene Schatten hilft dem visuellen System demnach, die jeweilige Umgebung auszuloten. Zumindest in psychologischen Experimenten kann er jedoch auch für einige Verwirrung sorgen.

Tagtäglich profitieren wir davon, dass das Gehirn Werkzeuge in sein Körperschema einschließen kann. So meint man beim Schreiben, Unebenheiten im Papier durch die Spitze des Stifts zu fühlen, tatsächlich spüren die Finger lediglich Vibrationen des Schreibutensils. Francesco Pavani und Umberto Castiello von der Università degli Studi di Trento, Rovereto, und der Royal Holloway University of London fanden nun, dass der Schatten eine ähnliche Körper-Erweiterung darstellt.

Die Forscher befestigten kleine Stimulatoren an Zeigefinger und Daumen ihrer Versuchsteilnehmer. Diese hatten sie so platziert, dass die Schatten der Finger - entweder der gereizten oder der nicht gereizten Hand - in die Nähe zweier Leuchtdioden fielen. Wurde nun beispielsweise der Zeigefinger gereizt, während die Diode neben dem Daumenschatten aufleuchtete, hatten die Teilnehmer deutliche Probleme, den gereizten Finger zu benennen. Besonders groß war die Verwirrung, wenn die gereizte Hand auch den Schatten warf. Eher mäßig stark war der Effekt, wenn der Schatten durch einen Handschuh verfremdet wurde oder die Teilnehmer statt ihres Handschattens nur die Zeichnung einer Hand neben den Leuchtdioden sahen.

Am stärksten war der Effekt, wenn die gereizte Hand tatsächlich neben den Lichtern lag und förmlich danach zu greifen schien - realer Körper ging also vor Schatten-Körper. Dennoch könnte der vom Körper geworfene Schatten "die Fähigkeit verbessern, sowohl mit realen Objekten als auch mit virtuellen Umgebungen zu interagieren", glauben Pavani und Castiello.


Forschung: Francesco Pavani und Umberto Castiello, Dipartimento di Scienze della Cognizioine e della Formazione, Università degli Studi di Trento, Rovereto, und Department of Psychology, Royal Holloway University of London

Online-Veröffentlichung Nature Neuroscience, 14. Dezember 2003, DOI 10.1038/nn1167

WWW:
Cognition & Action Group, Umberto Castiello

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