16.12.2003, 18:05 Uhr
Forscher rätseln über Schadstoff-Pulse

Regelmäßige Schadstoff-Pulse sorgen für Verwirrung bei amerikanischen Umweltwissenschaftlern. Wie die Forscher im Fachblatt "Environmental Science & Technology" berichten, steigen die Konzentrationen von einigen langlebigen organischen Substanzen im Gebiet der nordamerikanischen Großen Seen etwa alle sechs Jahre an und sinken dann wieder. Die Gründe sind umso rätselhafter, als einige der Substanzen längst verboten sind.

Die Forscher um Ronald Hites von der Indiana University in Bloomington analysierten Daten eines Messnetzes, das gemeinsam von den USA und Kanada betrieben wird und den Eintrag von Schadstoffen aus der Atmosphäre überwacht. Zu diesen Substanzen zählen unter anderem Pestizide und polychlorierte Biphenyle. Aufgrund ihrer Stabilität wurden letztere weithin als Hydraulikflüssigkeit, Kühl- oder Imprägniermittel und Isoliermaterial eingesetzt. Dann zeigte sich, dass sie Organschäden und möglicherweise sogar Krebs hervorrufen können. In den USA und Kanada - ebenso wie in Deutschland - ist ihre Produktion daher seit Mitte der 80er-Jahre verboten.

Eine frühere Studie hatte bereits gezeigt, dass die atmosphärische Konzentration von PCB in dem Gebiet sinkt und dass die Seen gleichzeitig mehr PCB freisetzen, als sie aus der Luft aufnehmen. Scheinbar regelmäßige Schwankungen in den Daten veranlassten Hites und sein Team nun zu einer weiteren Untersuchung, bei der sie Daten der Jahre 1990 bis 2001 analysierten. Tatsächlich konnten sie nachweisen, dass etwa alle sechs Jahre regelrechte Pulse von PCB und des ebenfalls verbotenen Fungizids Hexachlorbenzol auftreten.

Eine Quelle könnten mit PCB kontaminierte Seesedimente sein, wie sie in den letzten Jahren verstärkt ausgebaggert werden und vor dem Abtransport am Ufer lagern. Weitere denkbare Ursachen für die Pulse sehen die Forscher in der Sanierung von Industriebrachen, das Sediment aufwühlenden Stürmen oder schwankenden Wetterbedingungen. Zudem könne man darüber nachdenken, alte Transformatoren, die immer noch mit PCB arbeiten, verstärkt aus dem Verkehr zu ziehen.


Forschung: Stephanie S. Buehler, Ilora Basu und Ronald A. Hites, School of Public and Environmental Affairs, Indiana University, Bloomington

Online-Veröffentlichung Environmental Science & Technology, DOI 10.1021/es034699v

WWW:
Great Lakes Monitoring - Air Indicators
Über PCB

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