11.12.2003, 18:58 Uhr
Forscher finden Trunkenheits-Protein
Ein einzelnes Nervenprotein scheint der Hauptvermittler für die Folgen des Alkoholkonsums zu sein. Darauf deuten Untersuchungen trunkenheitsresistenter Fadenwürmer hin, die amerikanische Neurowissenschaftler durchgeführt haben. Vermittelt durch dieses Protein, das auch im menschlichen Gehirn vorkommt, reduziert Ethanol die Aktivität von Nervenzellen und führt so zu Koordinationsstörungen.
"Wir gehen davon aus, dass der gleiche Prozess auch in Menschen abläuft", sagt Steven McIntire von der University of California in San Francisco. Möglicherweise biete das Protein einen Angriffspunkt für die Behandlung von Alkoholismus, so der Mediziner. Und vielleicht lasse sich auch ein Weg finden, Betrunkene durch Medikamente schlagartig auszunüchtern. "Sicher können wir das erst sagen, wenn wir Studien an Menschen durchgeführt haben."
Bild: UCSF
Organismen quer durch alle Stämme des Tierreichs werden bei ähnlichen Ethanolkonzentrationen betrunken. Daher sind bei ihnen vermutlich ähnliche Mechanismen der Intoxikation am Werk. McIntire und seine Kollegen untersuchten nun Fadenwürmer (Caenorhabditis elegans) mit zufällig erzeugten Mutationen. Wie sie im Fachblatt "Cell" berichten, waren Tiere mit Defekten im Gen slo-1 praktisch immun gegen Alkohol: Sie bewegten sich in Gegenwart von Ethanol normal, während ihre Artgenossen förmlich ins "Torkeln" gerieten.
Das Gen trägt die Information für einen Membrankanal, durch den Kalium-Ionen Nervenzellen verlassen und so deren Aktivität senken können. Ethanol bewirkt, dass sich dieser BK-Kanal häufiger öffnet, fanden die Forscher. Umgekehrt zeigten Würmer mit einer anderen Mutation, bei denen der Kanal von sich aus häufig geöffnet war, auch ohne Alkohol Anzeichen von Trunkenheit. Zwar habe Ethanol einen diffusen Effekt und wirke mit Sicherheit auch auf andere Moleküle, so McIntire. "Diese Studie zeigt jedoch erstmals, dass eine einzelne Genmutation zu einer derart starken Resistenz gegenüber den Verhaltenseffekten des Alkohols führen kann."
Forschung: Andrew G. Davies und Steven L. McIntire, Ernest Gallo Clinic and Research Center, Department of Neurology, University of California, San Francisco; und andere
Veröffentlicht in Cell, Vol. 115(6), 12. Dezember 2003, pp 655-66
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Steven McIntire
Alkohol
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