17.3.2004, 11:38 Uhr
HCH: Endstation Kälte für Chlorchemikalie
Eine viele Jahre als Pestizid eingesetzte Chlorverbindung reichert sich nun im kühlen Osten Nordamerikas an. Das zeigen großangelegte Luftuntersuchungen, die kanadische Chemiker durchgeführt haben. Zuletzt in Südostasien im großen Maßstab ausgebracht, wird die Verbindung mit Wind und Meeresströmungen durch den indischen Ozean, um Afrika herum und im atlantischen Ozean gen Norden verfrachtet. Dort verhindern die kühlen Temperaturen sowohl den Weitertransport als auch den Abbau.
"Die arktische See trägt einen 'Topfdeckel' in Form einer Eisdecke", erläutert Frank Wania von der University of Toronto in Scarborough. "Im Laufe der letzten 20 Jahre fungierte sie als eine Art Kühlschrank und konservierte die ins atlantische Kanada transportierte Chemikalie." Bei der Verbindung handelt es sich um das alpha-Hexachlorcyclohexan (alpha-HCH). Es fällt gemeinsam mit anderen HCH-Formen bei der Herstellung des Insektizids Lindan an, wirkt stark giftig auf Wasserorganismen und schädigt beim Menschen auf lange Sicht Leber, Nieren und Nervensystem.
Wania und sein Team errichteten Reihen einfacher Messstationen, die sich in Nordsüd- und Ostwest-Richtung über Nordamerika ziehen. Darin enthaltene Polymerharz-Kügelchen binden in der Luft transportierte Verbindungen. Die Analyse dieser Fracht erlaubt Aufschlüsse über Transport und Anreicherung von Schadstoffen in Abhängigkeit von geographischen Faktoren. Wie die Forscher im Fachblatt "Environmental Science & Technology" berichten, fanden sie hohe Konzentrationen von alpha-HCH über Neuschottland und Neufundland an der kanadischen Atlantikküste.
Obwohl nur Lindan (gamma-HCH) insektizid wirkt, wurde lange Zeit das gesamte bei der Lindanherstellung anfallende HCH-Gemisch gegen Schadinsekten in der Landwirtschaft eingesetzt. In Westeuropa und den USA wurde die Anwendung dieses "technischen HCH" in den 70er-Jahren verboten, vor allem in China und Indien aber fortgesetzt.
Forschung: Li Shen, Ying D. Lei und Frank Wania; Department of Physical and Environmental Sciences, University of Toronto, Scarborough, Ontario; und andere
Veröffentlicht in Environmental Science & Technology, Vol. 38(4), pp 965-75
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Stoffbericht Hexachlorcyclohexan
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