11.3.2004, 0:00 Uhr
"Geburtstagswetter" prägt Gesundheit in späteren Jahren
Kühle Temperaturen zum Zeitpunkt der Geburt erhöhen das Risiko für Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen im fortgeschrittenen Alter. Zu diesem Schluss kommen britische Mediziner nach einer Studie mit knapp 4.300 Frauen im Alter von 60 bis 79 Jahren. Der Zusammenhang gilt allerdings nur für jene, die in ärmliche Familien hineingeboren wurden und ihre ersten Lebensmonate wohl in schlecht geheizten Wohnungen verbrachten.
Zwar seien die Studienteilnehmerinnen in den wirtschaftlich schwierigen Jahren 1919 bis 1940 geboren worden, schreiben die Forscher um Debbie Lawlor von der University of Bristol im Fachblatt "Heart". Angesichts der Wohnbedingungen in einigen Regionen Großbritanniens sei es aber wahrscheinlich, dass auch heute noch "sozio-ökonomische Ungleichheit mit einer 'natürlichen' Umwelt-Ungleichheit interagieren kann, um gesundheitliche Ungleichheit zu erzeugen und zu verschärfen."
Anhand Geburtsort und -datum der Teilnehmerinnen ermittelten Lawlor und Kollegen die monatlichen Durchschnittstemperaturen während der Schwangerschaft und zum Zeitpunkt der Geburt. Im Winter geborene Frauen, deren Väter körperliche Arbeit verrichtet hatten, wiesen ein 25 Prozent höheres Risiko für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße auf als in anderen Jahreszeiten geborene. Auch die Blutfettwerte, die Empfindlichkeit gegenüber dem Hormon Insulin und die Lungenfunktion waren bei ihnen etwas schlechter.
Die Unterschiede konnten fast vollständig durch die Temperaturen erklärt werden - kürzere Tageslichtperioden oder eine schlechtere Ernährung schienen kaum eine Rolle zu spielen. Laut den Medizinern sprechen ihre Resultate für die Theorie, "dass kalte Temperaturen zum Zeitpunkt der Geburt Fettspeicherung und Insulinresistenz fördern, und damit die koronare Herzkrankheit in späteren Jahren."
Forschung: Debbie A. Lawlor und Shah Ebrahim, Department of Social Medicine, University of Bristol; und andere; veröffentlicht in Heart, Vol. 90, 11. März 2004, pp 381-8, DOI 10.1136/hrt.2002.009548
The Lifetime Legacy of Very Early Life
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