22.3.2004, 12:58 Uhr
Keine Belege für alternative Riechtheorie

Der Schlüssel zum Geruch eines Moleküls scheint nicht in Schwingungen zu liegen. Zu diesem Schluss kommen zwei amerikanische Neurowissenschaftler nach einem Test der Schwingungstheorie des Riechens. Von deren Verfechter gemachte Vorhersagen lassen sich im Experiment nicht bestätigen.

"Wir haben die Schwingungstheorie nicht widerlegt", so Leslie Vosshall von der Rockefeller University in New York. "Wir haben lediglich nichts gefunden, was für sie spricht." Der Schwingungstheorie zufolge bestimmt nicht die Form eines Moleküls über seinen Geruch, sondern Schwingungen der Molekülbausteine um ihre chemischen Bindungen. Bereits in den 30er-Jahren aufgestellt und in jüngerer Zeit von dem Physiologen Luca Turin weiterentwickelt, wird sie von den meisten Riechforschern abgelehnt.

Vosshall und ihre Kollege Andreas Keller überprüften nun erstmals die von Turin gemachten Vorhersagen. Unter anderem ließen sie ihre Probanden an einem Gemisch aus Benzaldehyd und Guajakol schnuppern. Die beiden Substanzen riechen für sich genommen nach Mandeln bzw. leicht rauchig, das Gemisch soll laut Turin jedoch nach Vanille riechen. Die Versuchsteilnehmer stuften den Geruch des Gemischs jedoch nicht als stärker vanilleähnlich ein als den Geruch der Komponenten.

Turin zufolge sollen Aldehyde mit einer ungeraden Zahl von Kohlenstoffatomen anders riechen als solche mit einer geraden Zahl von Kohlenstoffen. Für die Nasen der Versuchsteilnehmer spielte jedoch die Gesamtlänge der Kohlenstoffkette die Hauptrolle. Auch nahmen sie keinen Unterschied im Geruch von Acetophenon-Molekülen wahr, wenn deren Wasserstoffatome durch schweren Wasserstoff (Deuterium) ersetzt worden waren. Schwerer Wasserstoff verändert die Form eines Moleküls kaum, führt jedoch "trägere" Schwingungen aus. Turin selbst habe diese Experimente vorgeschlagen, sie jedoch niemals durchgeführt, betont Keller. Die neuen Resultate sprächen für die allgemein akzeptierte Theorie, dass der Geruch eines Moleküls durch seine Form bestimmt wird.


Forschung: Andreas Keller und Leslie B. Vosshall, Laboratory of Neurogenetics and Behavior, Rockefeller University, New York

Online-Veröffentlichung Nature Neuroscience, 21. März 2004, DOI 10.1038/nn1215

WWW:
Laboratory of Neurogenetics and Behavior, Rockefeller U
Die Nase des Ketzers
Molekülschwingungen

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