23.7.2003, 19:25 Uhr
Jede Hummel hat ihren Suchstil
Auch unter Hummeln ist bekannt, dass gut Ding Weile haben will. Doch beherzigen nicht alle Tiere diese Weisheit im gleichen Maße, haben Biologen an der Universität Würzburg entdeckt. Einige Individuen suchen eine virtuelle Blumenwiese besonders rasch ab und nehmen dafür Fehlentscheidungen in Kauf. Allerdings gehen auch sie etwas bedächtiger zu Werke, wenn Fehler durch einen bitteren Geschmack bestraft werden.
"Wie beim Menschen, hängt bei Hummeln die Treffsicherheit einer Entscheidung von der Zeit ab, die für die Lösung der Aufgabe verwandt wird", schreiben Lars Chittka und seine Kollegen im Magazin "Nature". Bislang sei bei Wahrnehmungstests mit Tieren jedoch lediglich die Treffsicherheit berücksichtigt worden. "Selbst individuelle Insekten variieren in ihrem Streben, Fehler zu vermeiden."
Die Forscher trainierten Erdhummeln (Bombus terrestris) darauf, eine "Wiese" aus Plexiglasblüten nach Nahrung abzusuchen. Die Hälfte der Blüten enthielt eine Zuckerlösung und wurde mit rein blauem Licht beleuchtet, die andere enthielt lediglich Wasser und wurde in einem leicht grünlichen Blauton angestrahlt. Einige Tiere verschwendeten weniger als zehn Sekunden auf die Suche nach dem richtigen Farbton und ließen sich in nahezu 50 Prozent der Fälle auf einer Blüte mit Wasser nieder. Andere schwirrten doppelt so lang über die virtuelle Wiese und erzielten eine Trefferquote von 80 Prozent.
Versuchsweise ersetzten Chittka und seine Kollegen das Wasser nun durch bitter schmeckende Chinin-Lösung. Prompt stiegen Suchdauer und Treffsicherheit an, prinzipiell blieb jedes Tier aber seinem Suchstil treu. Hatte sich eine Hummel zuvor als "sorglos" erwiesen, huschte sie auch weiterhin relativ zügig über die Kunstwiese.
Forschung: Lars Chittka, Adrian G. Dyer, Fiola Bock und Anna Dornhaus, Zoologie II, Biozentrum der Universität Würzburg
Veröffentlicht in Nature, Vol. 424, 24. Juli 2003, p 388
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Bombus terrestris
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