11.7.2003, 13:58 Uhr
Krebse wechseln Skelett-Typ

Auch wenn Krebse aus der Haut fahren, sind sie alles andere als hilflos. Zwei amerikanische Biologen haben ermittelt, dass die Tiere nach dem wachstumsbedingten Abwerfen ihres harten Panzers dennoch energische Bewegungen ausführen können. Als "Skelett" dient dabei die prall mit Flüssigkeit gefüllte Leibeshöhle, berichten die Forscher im Magazin "Science".

Krebse besitzen - wie alle Gliederfüßer - einen harten Chitinpanzer, der als Schutz und als Widerlager für die Muskulatur dient. Indem die Tiere wachsen, müssen sie immer wieder aus dem alten Panzer schlüpfen und einen neuen bilden, der jedoch einige Tage aushärten muss. "Diese Zeit wird oft als Periode der Inaktivität angesehen", schreiben Jennifer Taylor und William Kier von der University of North Carolina in Chapel Hill. "Tatsächlich sind Krebse unmittelbar nach der Häutung zu schnellen und kraftvollen Bewegungen fähig."

Die zwei Forscher testeten nun, ob in dieser Phase die Leibeshöhle als hydrostatisches Skelett funktioniert, ähnlich wie bei Würmern oder Kopffüßern. Dazu führten sie eine feine Sonde zur Druckmessung in die Scheren von frisch gehäuteten Blaukrabben (Callinectes sapidus) ein. Der Flüssigkeitsdruck war sehr hoch und stieg immer dann zusätzlich an, wenn die Tiere die Scheren bewegten. "Damit ist klar, dass das Abwerfen des Exoskeletts einen Krebs nicht zur Hilflosigkeit verdammt", schreiben Taylor und Kier.

Indem der neue Panzer aushärtete, sank der Flüssigkeitsdruck und die Druckschwankungen bei Bewegungen wurden immer schwächer. "Diese Daten zeigen, dass das hydrostatische Stützgerüst nicht mehr benötigt wird, sobald die Krabben wieder eine harte Schale besitzen", so die Forscher. Der Wechsel zwischen hydrostatischem und festen Skelettsystem stelle jedoch eine echte Herausforderung für die Tiere dar. So müsse beispielsweise die noch weiche Haut genügend reißfest sein, um die hohen Flüssigkeitsdrücke zu verkraften.

Im Tierreich gebe es zahlreiche Beispiele für Organe, deren Stützgerüst anders funktioniere als das des übrigen Körpers, schreiben Taylor und Kier So besitze der Grabfuß der Muscheln, der Elefantenrüssel oder der erigierte Penis der Säugetiere ein hydrostatisches Skelett. "Krebse unterscheiden sich jedoch von diesen Beispielen, da der Stützmechanismus für den gesamten Körper zwischen zwei grundverschiedenen Kategorien wechselt."


Forschung: Jennifer R.A. Taylor und William M. Kier, Department of Biology, University of North Carolina, Chapl Hill

Veröffentlicht in Science, Vol. 301, 11. Juli 2003, pp 209-10

WWW:
Homepage William Kier: http://www.bio.unc.edu/faculty/kier.htm
Blue Crab: http://www.chesapeakebay.net/blue_crab.htm
Blue Crab Busting from Shell: http://www.blue-crab.org/busting.php
Tales of the Blue Crab: http://www.serc.si.edu/education/bluecrab/exhibit/start.htm
Chitin: http://www.faunistik.net/DETINVERT/MORPHOLOGY/GEWEBE/chitin_01.html

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: