31.7.2003, 20:42 Uhr
Software gibt Mordopfern ihr Gesicht zurück

Mord verjährt nie. Selbst wenn sich von einem Toten nur noch das Skelett findet, muss die Polizei ermitteln, ob ein natürlicher Tod, ein Unfall oder ein Verbrechen vorliegt. Computergraphiker des Max-Planck-Instituts für Informatik können jetzt aus den Informationen menschlicher Schädel die Gesichter der Verstorbenen rekonstruieren und sogar deren Mimik virtuell wieder auferstehen lassen.

Prinzipiell ist es nichts neues, aus dem Wuchs von Kiefer- und Schädelknochen zu berechnen, wieviel Fleisch und Haut sich einst darüber spannten. Bisher brauchten Gerichtsmediziner aber Wochen, um das potenzielle Gesicht des Toten zu rekonstruieren.

Diese Aufgabe kann ein Computerprogramm, das am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken entstand, in einem Bruchteil der Zeit erledigen. Die Software von Kolja Kähler und Jörg Haber benötigt lediglich die eingescannten Daten des Schädels sowie ergänzende Informationen wie Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit.

Nach der Berechnung des Gesichts können seine 24 wichtigsten Muskeln noch beliebig variert werden. Der Kopf lässt sich in Animationen einbinden und liefert so ein wesentlich lebendigeren Eindruck als modulierte Skulpturen zu bieten haben.

"Mit unserer Technik sind nur ein paar Mausklicks nötig, um den Gesichtsausdruck zu verändern", sagte Haber dem Magazin "New Scientist". Eine erste Version der Software stellten die Entwickler jetzt auf der "Siggraph 03", einer Fachmesse für Computergrafik in San Diego vor.

Für die nächste Version des Programms sollen in Zusammenarbeit mit Gerichtsmedizinern noch Haarfarben und Hauttexturen perfektioniert werden.


Forschung: Kolja Kähler, Jörg Haber, Computer Graphics Group, Max-Planck-Institut für Informatik

Max-Planck-Institut für Informatik:
http://www.mpi-sb.mpg.de/

Facial Animation and Modeling am MPI:
http://www.mpi-sb.mpg.de/resources/FAM/

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