29.7.2003, 16:37 Uhr
Sicherheit macht Scherenschwinger sexy

Ein Gefühl der Geborgenheit macht Männer attraktiv für Frauen, zumindest bei Winkerkrabben. Amerikanische Biologen haben herausgefunden, dass die männlichen Tiere die ständige Bedrohung durch räuberische Vögel für ihre Zwecke nutzen. Indem sie regelrechte Unterstände an den Eingängen ihrer Höhlen erbauen, locken sie schutzbedürftige Weibchen an.

Bei vielen Tierarten werben die Männchen mit auffälligen Farben bzw. Körperstrukturen oder lautem Gesang um Weibchen. Biologen gehen davon aus, dass derartige Reklame den potenziellen Paarungspartnerinnen meist verlässliche Hinweise auf die Vaterqualitäten eines Männchens liefert. Winkerkrabben der Art Uca musica gehen dagegen indirekter vor, berichten John Christy vom Smithsonian Tropical Research Institute in Panama und seine Kolleginnen im Fachblatt "Animal Behaviour".

Die Krebse leben auf zeitweise überfluteten Sandflächen, in die sie Wohnhöhlen graben. Am Eingang zu ihrem Bau schichten die mit übergroßen Scheren ausgestatteten Männchen zusätzlich Sand zu einer bogenförmigen und leicht überhängenden "Mauer" auf. Christy und sein Team vermuteten, dass die Tiere mit diesen Bauwerken natürliche Schutzgelegenheiten wie Steine, Weichtierschalen oder Holzstücke nachahmen. Solche Unterstände nutzen die Weibchen, wenn sie wie auf dem Präsentierteller über den Sand laufen und nach einem geeigneten Paarungspartner suchen.

Experimente bestätigten diese Vermutung. Weibliche Winkerkrabben - selbst nicht paarungsbereite Weibchen und solche von anderen Arten, bei denen die Männchen sich nicht als Baumeister betätigen - fühlten sich von Sandmauern und natürlichen Unterständen gleichermaßen angezogen. Und ersetzten die Forscher die Sandmauern an einigen Höhleneingängen durch Steine oder Holzstücke, erhielten die Hausbesitzer nicht weniger häufig Damenbesuche. "Die Männchen profitieren von der 'sensorischen Falle', da sie ihre Attraktivität erhöht", schließen Christy und seine Kolleginnen. "Paarungsbereiten Weibchen nutzt das Aufsuchen der Unterstände dagegen, weil es das Risiko bei der Partnersuche senkt."


Forschung: John H. Christy, Julia K. Baum und Patricia R.Y. Backwell, Smithsonian Tropical Research Institute, Panama City, Panama

Veröffentlicht in Animal Behaviour, Vol. 66(1), Juli 2003, pp 89-94, DOI 10.1006/anbe.2003.2196

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Homepage John Christy
Fiddler Crabs
Wenn Krabben winken

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