1.10.2004, 14:30 Uhr
Extra-Vitamine schützen nicht vor Krebs
Antioxidative Vitamine und Spurenelemente bewirken keinen Schutz vor Krebs des Verdauungstrakts. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Medizinergruppe im Fachblatt "The Lancet". Ihre zusammenfassende Auswertung mehrerer Studien deutet darauf hin, dass die regelmäßige Einnahme entsprechender Nahrungsergänzungen sogar einen negativen Effekt haben könnte.
Von einer Oxidation sprechen Chemiker, wenn ein Atom oder Molekül Elektronen zumindest tendenziell an einen Reaktionspartner, das Oxidans, verliert. Solche Reaktionen sind im Körper allgegenwärtig und lebensnotwendig, etwa bei der Atmung. Allerdings wird ihnen auch ein Einfluss auf Alterung und Krebsentstehung nachgesagt, da sie mitunter das Erbgut schädigen können. Antioxidantien sollen dies verhindern, indem sie statt der empfindlichen Biomoleküle mit den Oxidantien reagieren.
Goran Bjelaković vom Universitätsklinikum Kopenhagen und der Universität Niš, Serbien und Montenegro, und seine Kollegen analysierten nun die Resultate von 14 Studien, bei denen insgesamt mehr als 170.000 Personen über längere Zeit beta-Carotin, die Vitamine A, C oder E, Selen oder aber ein Placebo eingenommen hatten. Alle Studien zusammengenommen, zeigte sich kein positiver Effekt auf die Häufigkeit von Tumoren in Speiseröhre, Magen, Dickdarm, Bauchspeicheldrüse oder Leber.
Tatsächlich deuteten sieben Studien darauf hin, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungen die Sterblichkeit leicht erhöhen kann, schreiben die Mediziner. "Die Vorstellung, dass Vitamintabletten nicht nur keinen Nutzen haben, sondern ihre Konsumenten töten könnten, ist Furcht einflößend", kommentieren zwei britische Krebsexperten in der gleichen Ausgabe der Zeitschrift. Was die erhöhte Sterblichkeit betreffe, liefere die Analyse allerdings noch keine verlässlichen Resultate.
Forschung: Goran Bjelakovic, Cochrane Hepato-Biliary Group, Centre for Clinical Intervention Research, Copenhagen University Hospital, und Department of Internal Medicine, Medical Faculty, University of Nis, Serbien und Montenegro; und andere
Veröffentlicht in The Lancet, Vol. 364, 2. Oktober 2004, pp 1219-28
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