29.9.2004, 12:37 Uhr
Mathe von links: Delfine ticken anders

Auch Delfine besitzen einfache mathematische Fähigkeiten. Anders als bei Menschen, scheinen sie bei den Meeressäugern jedoch hauptsächlich in der linken Gehirnhälfte zu schlummern, hat eine Bochumer Psychologin entdeckt. Grund könnte die Anpassung der Tiere an das Leben im Wasser sein.

Foto: NoahGute Noten bescheinigt Annette Kilian ihrem Schüler Noah, einem Großen Tümmler (Tursiops truncatus) im Tiergarten Nürnberg. Nach einem entsprechenden Training konnte der Delfin aus zwei verschiedenen Anzahlen, die ihm auf großen schwarzen Tafeln dargeboten wurden, immer die kleinere wählen. Dies gelang ihm unabhängig von Merkmalen wie Größe und Form der Symbole, und auch ihm unbekannte Anzahlen konnte er spontan in die richtige Reihenfolge bringen.

Bei Menschen zeige sich die Fähigkeit, Mengen zu ordnen, erst im frühen Kleinkindalter, erläutert Kilian. Dass sie auch bei Delfinen und anderen Tieren auftrete, lasse auf alte evolutionäre Wurzeln des numerischen Wissens schließen. Immerhin trennte sich die Gruppe der Wale (Cetacea) schon vor 60 Millionen Jahren von den an Land bleibenden Säugetieren.

"Die Anpassung an den Lebensraum im Wasser hatte viele anatomische und physiologische Veränderungen zur Folge, die auch die Struktur des Gehirns betreffen", erklärt Kilian. Dabei wechselten offenbar auch die mathematischen Fähigkeiten ihren Sitz, fand die Forscherin, indem sie ihrem Schüler vorübergehend ein Auge abdeckte. Mit dem rechten Auge erzielte Noah bei numerischen Aufgaben deutlich bessere Resultate als mit dem linken.

Da sich die Sehnerven kreuzen, spricht dies für eine höhere mathematische "Begabung" der linken Gehirnhälfte. Beim Menschen sind die Verhältnisse umgekehrt. Und normalerweise finde man bei Säugern ähnliche Lateralisationsmuster, so Kilian. Daher deute dieses Resultat auf drastische Veränderungen der Gehirnstruktur im Laufe der Delfin-Evolution hin.

Foto: Ruhr-Universität Bochum


Forschung: Annette Kilian und Onur Güntürkün, Tiergarten Nürnberg und Fakultät für Psychologie, Universität Bochum

WWW:
Biopsychologie, Uni Bochum
Marine Mammal Cognition
- Dolpin & Numerosity

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