8.9.2004, 19:52 Uhr
Roboter frisst Fliegen

Zum Himmel stinkend und Fliegen fressend - so könnte die Zukunft autark agierender Roboter aussehen, sind britische Ingenieure überzeugt. Das von ihnen entwickelte Gerät nutzt die im Insektenpanzer steckende chemische Energie, um fernab jeder Steckdose in für Menschen ungeeignetem Terrain operieren zu können.

Das Problem dabei: Um die Energie liefernden Insekten anzulocken, wird das Vehikel namens EcoBot II sehr wahrscheinlich Kotgeruch einsetzen, berichtet das Magazin "New Scientist" in seiner neuen Ausgabe. Entwickelt wird der Roboter von Chris Melhuish und seinem Team an der University of the West of England in Bristol.

Zu der Duftnote beitragen dürfte auch eine ordentliche Portion Klärschlamm. Die darin enthaltenen Bakterien verdauen die Insektenbeute, insbesondere die Kohlenhydrate des Chitinpanzers, und treiben mit ihrem Stoffwechsel acht Brennstoffzellen an. Derzeit arbeitet dieses mikrobielle Kraftwerk allerdings nur mäßig intensiv, so dass EcoBot II selbst bei liebevoller Fütterung durch seine Entwickler zwölf Minuten benötigt, um Energie für einen 2-Zentimeter-Schritt zu sammeln.

Umgekehrt funktioniert der Klärschlamm-Reaktor so effizient, dass der Roboter mit einer "Tankfüllung" von acht dicken Brummern fünf Tage lang arbeitet, berichtet das Magazin. EcoBot II ist nicht die erste Entwicklung aus Melhuishs Labor, die Appetit auf Fleisch hat. Ein Vorgänger mit Namen Slugbot sollte Schnecken von Feldern lesen und die Pflanzenschädlinge wiederum zu Methan als Energieträger vergären. Angesichts der schleppenden Methanerzeugung schwenkten die Forscher jedoch auf die mikrobielle Fliegenzersetzung um.


Forschung: Chris Melhuish, Intelligen Autonomous Systems Laboratory, Faculty of Engineering, University of the West of England, Bristol, und andere

WWW:
New Scientist
Intelligent Autonomous Systems Laboratory, UWE
Strom aus Abwasser

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: