8.9.2004, 12:12 Uhr
Erfolgreicher Test mit verdünntem Pocken-Impfstoff

Ein gut 50 Jahre alter Pocken-Impfstoff erzielt selbst in zehnfacher Verdünnung noch den gewünschten Effekt. Das zeigen Versuche, die amerikanische Mediziner an 340 Freiwilligen durchgeführt haben. Im Ernstfall könnte daher die gesamte US-Bevölkerung geimpft werden.

Der Impfstoff namens Aventis Pasteur Smallpox Vaccine (APSV) enthält einen mit dem Pockenvirus verwandten Erreger, das Vacciniavirus. Angesichts neuer Ängste vor terroristischen Anschlägen mit Biowaffen hatte die Herstellerfirma der US-Regierung im Frühjahr 2002 rund 85 Millionen Dosen des Impfstoffs überlassen. Das amerikanische Gesundheitsministerium strebt jedoch an, im Ernstfall jeden der rund 280 Millionen US-Bürger impfen zu können.

Dieses Ziel kann durch Verdünnen der Vakzine erreicht werden, berichten Thomas Talbot von der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee, und seine Kollegen im "Journal of the American Medical Association". Ihre Versuchsteilnehmer erhielten den in den 50er-Jahren hergestellten und seitdem bei minus 20 Grad Celsius gelagerten Impfstoff entweder unverdünnt oder in fünffacher bzw. zehnfacher Verdünnung.

In den folgenden Tagen trat bei sämtlichen Teilnehmern, die das unverdünnte oder das zehnfach verdünnte Medikament erhalten hatten, ein Impfbläschen als Zeichen einer erfolgreichen Impfung auf. Nach Verabreichung des fünffach verdünnten Impfstoffs betrug die Erfolgsquote 98,2 Prozent - statistisch war jedoch kein Unterschied zwischen den Gruppen festzustellen. Gleiches galt allerdings auch für die Rate der unangenehmen Impfsymptome: Praktisch alle Teilnehmer berichteten in den zwei Wochen nach der Impfung über Jucken oder Schmerzen der Impfstelle, Muskel- oder Kopfschmerzen oder Fieber.


Forschung: Thomas R. Talbot und Kathryn M. Edwards, Department of Medicine und Department of Pediatrics, Vanderbilt University School of Medicine, Nashville, Tennessee; und andere


Veröffentlicht in JAMA, Vol. 292(10), 8. September 2004, pp 1205-12

WWW:
Pocken-FAQ des Robert-Koch-Instituts
Pocken

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