23.7.2004, 22:15 Uhr
Händigkeit entscheidet sich im Mutterleib

Schon beim zehn Wochen alten Fötus finden sich Hinweise, welche Hand das Kind in seinem Leben bevorzugen wird. Davon sind britische Forscher überzeugt, die Ultraschallbilder von Ungeborenen ausgewertet haben. Ihre Beobachtungen widersprechen der herkömmlichen Annahme, die Händigkeit werde erst im Alter von drei bis vier Jahren geprägt.

Ein Forscherteam um Peter Hepper vom Fetal Behaviour Research Centre an der Queen's University in Belfast wertete Ultraschallbilder von 1.000 Ungeborenen aus und stellten fest, dass neun von zehn Föten ab der 15. Woche bevorzugt am rechten Daumen lutschten.

Die Forschern machten 75 der Kinder ausfindig, die mittlerweile zwischen zehn und zwölf Jahre alt sind. Jene 60, die als Ungeborene am rechten Daumen lutschten, sind heute alle Rechtshänder. Von den 15 Kindern, die im Mutterleib ihren linken Daumen bevorzugt hatten, sind heute zehn Linkshänder.

Die spätere Händigkeit deutet sich sogar schon in der zehnten Schwangerschaftswoche an, ergaben weitere Untersuchungen. In diesem Alter lutschen Föten noch nicht am Daumen, bewegen einen Arm aber deutlich häufiger als den anderen – in den meisten Fällen den rechten, berichtete Hepper jetzt auf einer Fachtagung in Portugal.

Dem Magazin "New Scientist" sagte Hepper, das Gehirn des Ungeborenen habe in diesem frühen Stadium noch keine Kontrolle über die Armbewegungen. Vermutlich handle es sich um Reflexe, die über das Rückenmark ausgelöst werden. Die Händigkeit könne mit dem etwas schnelleren Wachstum einer Körperhälfte zusammenhängen.


Forschung: Peter Hepper, Fetal Behaviour Research Centre, Queen's University, Belfast

Fetal Behaviour Research Centre

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