21.7.2004, 19:01 Uhr
Winkerkrabben kämpfen für "gute" Nachbarn
Winkerkrabben leisten ihren Reviernachbarn Schützenhilfe, wenn diese von Herumtreibern belästigt werden. Dabei werden die Tiere jedoch nicht von einer edlen Gesinnung geleitet, berichtet ein australisches Forscherduo im Magazin "Nature". Die Tiere schreiten umso häufiger ein, je größer der Störenfried ist - offenbar sorgen sie sich um ihr eigenes Revier.
"Diese Kooperation steht im Einklang mit der Vorhersage, dass es mitunter günstiger sein kann, einem altbekannten Nachbarn zu helfen, als die Reviergrenzen mit einem neuen und möglicherweise größeren Nachbarn neu aushandeln zu müssen", schreiben Patricia Backwell und Michael Jennions von der Australian National University in Canberra. Scheinbar wiege dieser Vorteil sowohl das Risiko eines Scherenverlustes auf als auch die Gefahr, dass das eigene Revier während der Hilfestellung von einem anderen Artgenossen besetzt werde.
Winkerkrabben leben in Wohnhöhlen auf zeitweise überfluteten Schlickflächen. Jede Höhle ist von einem Revier umgeben, das die Tiere insbesondere gegen revierlose Artgenossen verteidigen müssen. Backwell und Jennions fanden nun, dass diese Herumtreiber mitunter auf doppelten Widerstand treffen, indem der bedrängte Revierbesitzer und ein Nachbar den Eindringling gemeinsam abwehren. Zu derartigen Koalitionen kommt es allerdings nur dann, wenn der Bedrängte kleiner als der potenzielle Helfer ist. Zudem ist die Hilfsbereitschaft besonders hoch, wenn der Eindringling größer als der Bedrängte ist.
Versuche bestätigten die Annahme, dass es den Helfern um die Wahrung des Status quo geht. Entfernten Backwell und Jennions kleine Revierbesitzer vorübergehend aus ihren Territorien und setzten sie dann zurück, herrschte weiterhin Frieden im Schlick. Ersetzten sie die kleinen Krabben dagegen durch größere, kam es fast immer zu Auseinandersetzungen zwischen den neuen Nachbarn.
Forschung: Patricia R.Y. Backwell und Michael D. Jennions, School of Botany and Zoology, Australian National University, Canberra
Veröffentlicht in Nature, Vol. 430, 22. Juli 2004, p 417
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