20.7.2004, 12:24 Uhr
Verteilte Verarbeitung prägt Intelligenz

Menschen mit einem besonders großen Gehirn sind nicht unbedingt intelligenter als andere. Betrachtet man einzelne Gehirnbereiche, gilt dieser Zusammenhang aber sehr wohl, haben amerikanische Neurowissenschaftler herausgefunden. Je mehr graue Substanz bestimmte Gehirnareale enthalten, desto besser schneidet die jeweilige Person bei Intelligenztests ab, berichten sie im Fachblatt "NeuroImage".

Diese Areale liegen in den unterschiedlichsten Bereichen des Großhirns und könnten für verschiedene Facetten der Intelligenz zuständig sein, erläutert Richard Haier von der University of California in Irvine. "Vielleicht erklärt dies, warum manche Leute gut in Mathematik sind, jedoch nicht so gut in Rechtschreibung, während es bei anderen mit dem gleichen IQ genau umgekehrt ist." Zudem sprächen die Resultate gegen die Existenz eines einzigen "Intelligenzzentrums", so Haier.

Drei Hirnansichten samt Intelligenz-Brennpunkten

Intelligenz-Brennpunkte. Grafiken: R. Haier et al./UCI

Der Psychologe und seine Kollegen ließen 47 gesunde Erwachsene Intelligenztests absolvieren und ermittelten mit Hilfe von Kernspinaufnahmen, wie viel graue Substanz in einzelnen Gehirnarealen vorhanden war. Graue Substanz besteht überwiegend aus den Rümpfen von Nervenzellen, den eigentlichen Schaltstellen. In weißer Substanz finden sich dagegen hauptsächlich die Ausläufer der Nervenzellen, vergleichbar Kabelsträngen.

Unterschiede in IQ-Werten können nur zu etwa einem Sechstel durch das Gesamtvolumen des Gehirns erklärt werden. Wie Haier und seine Kollegen in einem vorab veröffentlichten Artikel berichten, lässt sich für mehrere Gehirnareale in allen Stirnlappen ein sehr viel engerer Zusammenhang herstellen. Insgesamt scheinen jedoch nur sechs Prozent der gesamten grauen Hirnsubstanz Einfluss auf den IQ zu haben. "Es gibt eine fortwährende Kaskade der Informationsverarbeitung, die sich durch das gesamte Hirn zieht", so Haier. "Intelligenz scheint jedoch nur von der effizienten Nutzung relativ weniger Strukturen abzuhängen. Und für diese gilt: Je mehr graue Substanz, desto besser."


Forschung: Richard J. Haier, Department of Pediatrics, University of California, Irvine; und andere


Online-Veröffentlichung NeuroImage, DOI 10.1016/j.neuroimage.2004.04.025

WWW:
Homepage Richard Haier
Was ist der IQ?
Brodmann Areas

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