21.7.2004, 10:34 Uhr
Gähnen ist auch unter Schimpansen ansteckend
Wer andere Gähnen sieht, entwickelt häufig selbst einen kaum zu unterdrückenden Gähnreiz. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Schimpansen, berichten britische und japanische Forscher im Fachblatt "Biology Letters".
Die Funktion des Gähnens ist umstritten. Einige Forscher gehen davon aus, dass das beherzte Luftholen zur Aktivierung des Körpers dient. Andere halten es dagegen in erster Linie für ein Signal zur Festigung des Zusammenhalts innerhalb einer Gruppe. So ist Gähnen für gut 40 bis 50 Prozent aller Erwachsenen "ansteckend" - insbesondere für jene, die sich gut in andere hineinversetzen können.
Ganz ähnliche Resultate erhielten die Forscher um James Anderson von der University of Stirling bei Versuchen mit Schimpansen. Im Primate Research Institute der Kyoto University zeigten sie sechs ausgewachsenen Weibchen und drei Jungtieren Videos von gähnenden Artgenossen. Zwei der erwachsenen Tiere wurden dabei ebenfalls vom Gähnreiz gepackt, jedoch keines der Jungtiere.
Laut Anderson und seinen Kollegen sind menschliche Kleinkinder ebenfalls immun gegen ansteckendes Gähnen. Erst ab dem zweiten Lebensjahr, wenn sich die Kinder im Spiegel erkennen können, würden sie anfällig. Nach Ansicht der Forscher belegen ihre Resultate, dass Schimpansen empathisch sind, sich also in Artgenossen hineinversetzen können.
Forschung: James R. Anderson, Department of Psychology, University of Stirling; Masako Myowa-Yamakoshi und Tetsuro Matsuzawa, Department of Behavioral and Brain Sciences, Primate Research Institute, Kyoto University
Online-Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10/1098/rsbl.2004.0224
WWW:
Primate Research Institute, U Kyoto
- Homepage Tetsuro Matsuzawa
Gähnen aus Sympathie
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