22.10.2004, 16:58 Uhr
Pinguine tauchen taktisch

Wer auf Tauchstation geht, muss mit seiner Luft haushalten. Das beherzigen auch Pinguine, berichten japanische und französische Polarforscher im "Journal of Experimental Biology". Je nachdem, wie ertragreich ihre momentanen Jagdgründe sind, nehmen die Tiere den kürzesten Rückweg zur Wasseroberfläche oder nutzen den verbliebenen Atem, um sich nach Alternativen umzusehen.

Die Befunde lieferten eine Erklärung für das ungewöhnliche Tauchverhalten der Tiere, schreiben Katsufumi Sato vom Japanischen Institut für Polarforschung, Tokyo, und seine Kollegen. "Generell sollte man davon ausgehen, dass Luft atmende Meerestiere stets den kürzesten Weg zwischen Oberfläche und Jagdtiefe wählen, um möglichst lange jagen zu können", so die Forscher. Offenbar vergeudeten viele Tiere jedoch kostbare Atemluft, indem sie unter einem flachen Winkel ab- oder auftauchten.

Sato und seine Kollegen gingen das Rätsel an, indem sie auf den Kerguelen acht weibliche Goldschopfpinguine (Eudyptes chrysolophus) kleine "Sensorrucksäcke" verpassten. Während die Tiere im Indischen Ozean Jagd auf Krill und Tintenfische machten, zeichneten diese Geräte Daten über beinahe 7.000 Tauchgänge auf. Die Vögel erreichen demnach Tiefen von über 55 Metern und halten sich dort bis zu drei Minuten lang auf. Auf den Auf- bzw. Abstiegswinkel hatte die Tauchtiefe jedoch keinen Einfluss.

Umso mehr die Zeit, die die Pinguine auf ihrer "Jagdtiefe" verweilten: Je länger ein Vogel auf Tiefe blieb und dort Beutetieren nachstellte, desto eiliger hatte er es, zurück zur Oberfläche und wieder in die Tiefe zu kommen. Hatten sich die Tiere nach Erreichen der maximalen Tauchtiefe jedoch nur kurz umgeschaut, tauchten sie sehr gemächlich auf und nach dem Luftholen wieder ab. "Ein flacher Tauchwinkel erhöht die horizontal zurückgelegte Strecke", erklären Sato und Kollegen ihre Beobachtung, "und begünstigt so das Erreichen profitablerer Gebiete mit dem nächsten Tauchgang."


Forschung: Katsufumi Sato, National Institute of Polar Research, Tokyo; Jean-Benoît Charrassin, Département Milieux et Peuplements Aquatiques, Muséum National d'Histoire Naturelle, Paris; und andere

Veröffentlicht in Journal of Experimental Biology, Vol. 207, pp 4057-65, DOI 10.1242/jeb.01265

WWW:
Eudyptes chrysolophus
National Institute of Polar Research

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